Pharmakovigilanz

Ein System zum Safety-Management muss laut AMG auch für IITs nachgewiesen werden. Für die Bearbeitung von SAEs und SUSARs wurden standardisierte Verfahrensweisen etabliert. Dies beinhaltet einheitliche Definitionen, z.B. von SAEs, Checklisten zur Bewertung, Meldeverfahren und Datenbankerfassung.

Manual: Safety-Management

Das Manual Safety-Management bietet Grundlagen und Arbeitsvorlagen für ein funktionierendes Safety-Management in Studienzentralen, die IITs durchführen.

Aufgrund der geänderten gesetzlichen Anforderungen, die seit der 12. AMG-Novelle an IITs gestellt werden, hat sich die Situation für ärztliche Leiter von Studienzentralen, die akademische Studien durchführen, erheblich erschwert. Der Gesetzesgeber fordert seitdem auch Maßnahmen zu einem SAE-Management, die dem Umfang in Zulassungsstudien fast gleichkommen. Es gibt jedoch auch Unterschiede, die von den Sponsoren/LKPs von IITs unbedingt berücksichtigt werden müssen, um den Aufwand angemessen zu gestalten.

Aus diesem Grunde wurde 2008 das Manual Safety-Management in der AG Studienzentralen erarbeitet, welches sich intensiv mit dieser Thematik auseinandersetzt. Es soll als praktischer Leitfaden für die korrekte Umsetzung eines Safety-Managements in Studienzentralen dienen. Ziel bei der Erstellung war u.a., die oft komplex formulierten Gesetzestexte genau und verständlich wiederzugeben. 2013 wurde das Manual überarbeitet.

Veröffentlichung der EudraVigilance-Datenbank

Seit Kurzem wird die EudraVigilance-Datenbank auch für die Öffentlichkeit ausgewertet und dargestellt. Die zuständige Behörde ist die Europäische Arzneimittelagentur (European Medicines Agency). Mit diesem Angebot stehen Meldungen zu Arzneimitteln, die in der EU im zentralisierten Verfahren zugelassen sind, zur Verfügung. Inhalte der Meldungen sind schwerwiegende Nebenwirkungen (UAW) und Verdachtsfälle von UAW.
Als Quelle dienen ausschließlich die Meldungen des Spontanmeldesystems der Länder, die im EudraVigilance-System erfasst wurden. Die Web-Meldung schließt jedoch keine Meldungen im Rahmen von Studien (z.B. klinische Prüfungen, nicht-interventionelle Studien) oder andere Arten von Meldungen ein.

Ein umfassender Zugriff auf die EudraVigilance-Datenbank ist für verschiedene meinungsbildende Gruppen („Stakeholder“) in unterschiedlichem Maße möglich.

SUSAR-Kodierung nach CTCAE oder MedDRA

Seit 1982 wird zur Klassifizierung von Toxizitäten das CTCAE (Common Terminilogy Criteria for Adverse Events v.3.0) des National Cancer Institutes für die AE-Berichterstattung in der Onkologie verwendet. Sie stellen einen Katalog dar, in welchem die Ausprägungen von Erkrankungen, Krankheitszeichen oder Symptomen für 24 Kategorien und ungefähr 300 AE-Begriffen in 5 Schweregrade eingeteilt sind. Jeder Fachbegriff ist mit einem Term und Code von MedDRA (Medical Dictionary for Regulatory Activities) korreliert. Über die Website des National Cancer Institutes können der aktuelle Katalog und weitere hilfreiche Instrumente kostenfrei heruntergeladen werden. Eine Übersicht der CTCAE-Definitionen unter Berücksichtigung von MedDRA-Codierungen und Definitionen für AEs bzw. MedDRA-Terms (LLT) findet sich hier.

MedDRA (Medical Dictionary for Regulatory Activities) ist ein Grundlagenwerk für die einheitliche Kodierung von Anamnesedaten, Begleiterkrankungen und unerwünschten Ereignissen in klinischen Studien. Zulassungsbehörden (FDA und EMEA) stellen ihre Systeme auf diese Vorgaben um und MedDRA muss für die elektronische Meldung von SUSARs verwendet werden. Ausnahmen gibt es für IITs, die nicht nach MedDRA kodieren müssen, da sie nicht elektronisch melden müssen. Auch bezüglich der Erwerbskosten von MedDRA wird zwischen IITs und Zulassungsstudien unterschieden.

Investigator's Brochure

Die Investigator´s Brochure oder Prüferinformation ist die neueste Fassung der zum Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechenden pharmakologischer toxikologischer Prüfungen zu den betreffenden Präparaten und ggf. zusätzlichen „safety-updates“ (§ 40Abs. 1 Nr.7 AMG). Es ist eine Zusammenstellung der für die Untersuchung mit Prüfpräparaten am Menschen relevanten klinischen und präklinischen Daten. Sie enthält Informationen über Hintergründe der Kernpunkte des Prüfplans, wie z.B.: Dosis, Dosierungsfrequenz, Art der Anwendung, Maßnahmen der Überwachung, der Unbedenklichkeit und Informationen über ärztliche Betreuung der Patienten während einer Studie. Struktur und Inhalt müssen Kapitel 7 ICH-GCP entsprechen.

Entsprechend der Richtlinie 2005/28/EG der Kommisison vom 8. April 2005 Artikel 8 (1) vom Sponsor mindestens einmal jährlich die Prüferinformation dahingehend bewertet werden, ob sie noch valide sind und erforderlicherweise aktualisiert werden. Sofern keine Aktualisierung der Prüferinformation als notwendig erachtet wird, wird empfohlen, dies der Bundesoberbehörde mitzuteilen. Sofern die geänderten Inhalte der Prüferinformation geeignet sind, sich auf die Sicherheit der betroffenen Personen auszuwirken (positiv wie negativ) oder die Auslegung der wissenschaftlichen Dokumente, auf die die Prüfung gestützt wird, oder die wissenschaftliche Aussagekraft der Studienergebnisse zu beeinflussen, so ist die geänderte Prüferinformation der Bundesoberbehörde als genehmigungspflichtige nachträgliche Änderung vorzulegen (vgl. dazu auch § 10 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 + 2 GCP-Verordnung).

Sofern es sich bei den vorgenommenen Änderungen nicht um eine genehmigungspflichtige Änderung entsprechend § 10 (1) GCP-V handelt, wird trotzdem empfohlen, die neue Prüferinformation der Bundesoberbehörde zeitnah zur Information vorzulegen. (www. bfarm.de; FAQ; Klinik)

Die Investigator’s Broschure muss vom Sponsor den Prüfern in Papierform und elektronischer zur Verfügung gestellt werden und, wenn möglich zur Kausalitätsbewertung eines SAE einbezogen werden damit das Meldeaufkommen auf das geringst mögliche Maß eingeschränkt werden kann.

Fachinformation (SmPC)

Ergänzend zur Packungsbeilage nach §11 AMG sind die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels „Summary of Product Characteristics (SmPC)“ eine Fachinformation für Verschreiber im Bereich der Europäischen Union für zentral zugelassene Arzneimittel und die nationale Fachinformation nach § 11a AMG in den entsprechenden Abschnitten als Referenzdokument zu nennen. Die SPC bzw. die nationale Gebrauchs- und Fachinformation dient als Referenzdokument zur Klassifizierung einer Nebenwirkung als „unerwartet“ im Hinblick auf die Erfüllung der Anzeigepflichten zu Einzelfällen von Nebenwirkungen (4. Bekanntmachung zur Anzeige von Nebenwirkungen und Arzneimittelmissbrauch nach §63b Abs. 1 bis 8 des Arzneimittelgesetzes (AMG) vom 29. April 2005).
Die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels ist ein wesentlicher Produktbestandteil eines jeden Arzneimittels und fasst dessen wesentliche Eigenschaften sowie begleitende Informationen zusammen, wie sie zwischen dem pharmazeutischen Unternehmer und der zuständigen Zulassungsbehörde vereinbart wurden. Im Rahmen der Richtlinie 2001/83/EG des europäischen Parlaments und des Rates wurden Form und Inhalt innerhalb des europäischen Rechtraums für die SPC eines Humanarzneimittels festgelegt
Sie ist ein detailliertes Dokument über ein Arzneimittel, das Daten über Darreichungsform und Stärke, Indikationen (Anwendungsgebiete), Dosierung, Wirkung, Nebenwirkungen und Kontraindikationen (Gegenanzeigen) des Präparats enthält (www.wikipedia.org).

Arbeitsunterlagen

Überarbeitetes Manual Safety Management und mitgeltende Unterlagen, Stand 2014 (passwortgeschützt)

Links

Common Terminology Criteria for Adverse Events, englisch, Stand: 14.06.2010 (Datum des letzten Seitenbesuchs: 04.06.13)
Europäische Datenbank gemeldeter Verdachtsfälle von Arzneimittelnebenwirkungen (Datum des letzten Seitenbesuchs: 17.09.13)

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 21.07.2014, letzte Änderung: 05.10.2015