AML-Register

Erste Erfahrungen und Ergebnisse mit der systematischen Erfassung aller AML-Patienten im gemeinsamen AML-Register von SAL und AMLCG

Autoren: Christoph Röllig, Karsten Spiekermann, Utz Krug, Jan Braess, Wolfgang Hiddemann, Wolfgang E. Berdel und Gerhard Ehninger (aus dem Rundbrief 17, Dezember 2012)

Neben dem Erkenntnisgewinn durch klinische Studien ist das Interesse an den Krankheitsverläufen von Patienten außerhalb von Studien gewachsen. Solche Verläufe können im Rahmen klinischer Register erfasst werden. Neben Fragen der externen Validität (Generalisierbarkeit) von Therapieergebnissen hat auch die zunehmende Bedeutung der Versorgungsforschung die Notwendigkeit eines AML-Registers deutlich werden lassen. Die Einrichtung eines klinischen Registers löst das Problem der Patientenerfassung von an klinischen Studien nicht beteiligten Zentren und kompensiert die in klinischen Studien eingeschränkte Langzeitnachbeobachtung. Darüber hinaus werden erstmalig auch AML-Patientengruppen erfasst, die aufgrund von Ein- und Ausschlusskriterien nicht in klinischen Studien behandelt und dokumentiert werden können. Aufgrund der immensen Bedeutung für die epidemiologisch-klinische und Versorgungsforschung sowie auch als Instrument der Qualitätssicherung begann die SAL-Studiengruppe im Jahr 2009 mit der Errichtung eines AML-Registers. Der Erfahrungsaustausch innerhalb des Kompetenznetzes Leukämien, besonders mit den Initiatoren des zuvor etablierten ALL-Registers war dabei sehr hilfreich. Die Registrierung von Patienten konnte nach Beratung durch die Ethikkommission der Medizinischen Fakultät Dresden und der teilnehmenden Zentren im Mai 2010 beginnen. Das Register wird von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung gefördert.

Im Hinblick auf repräsentative und verlässliche Daten muss das Ziel eines jeden Registers sein, möglichst viele der betroffenen Patienten zu erfassen - im Idealfall die Gesamtheit aller an einer bestimmten Krankheitsentität erkrankten Personen. Um dem Ziel näher zu kommen, ein möglichst repräsentatives Bild der klinischen Realität von AML-Erkrankungen in Deutschland zu erhalten, beschlossen die Spitzen von AMLCG und SAL im Sommer 2010, die Registrierung auf die Therapieeinrichtungen der AMLCG auszudehnen und ein gemeinsames kooperatives AML-Register zu etablieren. Registerprotokoll und Erfassungsbögen (CRF) wurden zu diesem Zweck harmonisiert.

Voraussetzung für die Meldung von Daten an das Register ist die Einverständniserklärung jedes Patienten und die vorherige ausführliche Information über das Projekt durch einen behandelnden Arzt des teilnehmenden Zentrums unter Zuhilfenahme der Patienteninformation. Der Schutz persönlicher Registerdaten vor dem Zugriff Dritter wird durch entsprechende Maßnahmen (z. B. räumlich und administrativ getrennte Datenbanken) gewährleistet.

Nach Erstdiagnose, Aufklärung und Einwilligung werden alle Patienten zunächst der Registerzentrale gemeldet. Nachfolgend werden patienten- und krankeitsspezifische Parameter bei Erstdiagnose wie Mutationsstatus oder Komorbiditäten erfasst. Die Dokumentation erfolgt auf Papier-CRF, um den Zentren eine zusätzliche elektronische Datenerfassung zu ersparen, die bereits bei der Durchführung der meisten klinischen Studien eine aufwändige Passwort- und Zugangsverwaltung erfordert und zudem die Dokumentation auf Computerarbeitsplätze beschränkt. Der genannte initiale Dokumentationsaufwand beschränkt sich auf drei A4-Seiten. Danach werden einmal alle sechs Monate ein Follow-up-Bogen und bei erfolgten Therapien ein Bogen pro Therapiezyklus fällig. Der überschaubare Dokumentationsaufwand hat zu einer hohen Akzeptanz in den Zentren geführt. Die Registrierung von Patienten geht mit einer zentralen Diagnostik und Asservierung von Biomaterial einher, die neben einer möglichen gezielten Therapie die Evaluation neuer prognostischer Marker und minimaler Resterkrankung (MRD) im Verlauf ermöglicht.

Therapeutisch bindende Vorgaben für Registerpatienten gibt es definitionsgemäß nicht. Für Patienten außerhalb von Studien wird der aktuelle Stand des Wissens je doch in Form von Handreichungen zusammengefasst, um dem klinisch tätigen Arzt eine Hilfestellung zu geben.

Erste Zahlen aus Auswertungen an mehreren hundert Patienten zeigen eine ähnliche Zunahme der AML im höheren Lebensalter wie in Beobachtungen von ausländischen Registern, einen ECOG-Score von 1 in 60 % und 0 in 20 % der Fälle, korrespondierend dazu haben etwa ein Drittel aller Patienten einen hematopoietic cell transplantation comorbidity index (HCT-CI) von 0 bzw. 1. Eine sekundäre Leukämie lag in 27 % der Fälle vor, extramedulläre Manifestationen in 7 %. Bei fast allen Patienten (95 %) gelang bei Erstdiagnose eine zytogenetische Diagnostik.

Für die Zukunft geplante Auswertungen werden u.a. einen Einblick in die möglichen Variationen therapeutischer Praxis, Anteil und Prognose der Frail-AML-Patienten und den Einsatz neuer Substanzen geben.

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 02.02.2015, letzte Änderung: 30.03.2015