Publikationen der Dt. MDS-Studiengruppe

2015

Klonale Architektur sortierter Zellsubpopulationen bei MDS mit del(5q)

Kommentiert von Uta Oelschlägel und Uwe Platzbecker - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden

Für diese Untersuchungen wurden Knochenmark-Subpopulationen (Progenitorzellen, Granulopoese, Erythropoese) mittels FACS sortiert und anschließend die klonale Architektur zytogenetisch bzw. molekulargenetisch untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass eine unterschiedliche Verteilung der klonalen Zellen vorliegt. Dabei ist die Subgruppe der MDS mit aberranter CD5/CD7 Expression durch signifikant höhere Mengen an klonalen Zellen in allen untersuchten Subpopulationen verglichen mit MDS ohne diesen aberranten Phänotyp charakterisiert. Dies konnte auch mit einer Resistenz auf Erythropoetin korreliert werden.

Oelschlaegel U, Alexander Rohnert M, Mohr B, Sockel K, Herold S, Ehninger G, Bornhauser M, Thiede C, Platzbecker U. Clonal architecture of del(5q) myelodysplastic syndromes: aberrant CD5 or CD7 expression within the myeloid progenitor compartment defines a subset with high clonal burden. Leukemia. 2015 [Epub ahead of print]. PMID: 26104659. doi: 10.1038/leu.2015.158.

Spezifischer Immunphänotyp bei MDS mit del(5q)

Kommentiert von Uta Oelschlägel und Uwe Platzbecker - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden

Die Durchflusszytometrie gewinnt als Zusatzkriterium in der Diagnostik von MDS an Bedeutung. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe um A. A. van de Loosdrecht haben wir ein 8-Farb-Panel entwickelt und damit ein spezifisches Antigenmuster für MDS mit del(5q) nachweisen können, was es erlaubt, dieser zytogenetischen Aberration mit hoher Sensitivität und Spezifität ein immunphänotypisches Korrelat auf Proteinebene zuzuordnen. Dieses Antigenmuster kann sowohl bei Diagnosestellung als auch im Kontext des Therapiemonitorings genutzt werden, um weitere zytogenetische Untersuchungen gezielt anzuschließen bzw. die Durchflusszytometrie als zusätzlichen Parameter bei unklaren zytogenetischen Ergebnissen zu verwenden.

Oelschlaegel U, Westers TM, Mohr B, Kramer M, Parmentier S, Sockel K, Thiede C, Bornhauser M, Ehninger G, van de Loosdrecht AA, Platzbecker U. Myelodysplastic syndromes with a deletion 5q display a characteristic immunophenotypic profile suitable for diagnostics and response monitoring. Haematologica. 2015;100(3):e93-6. PMID: 25425689. doi: 10.3324/haematol.2014.115725.

Braulke F, Platzbecker U, Muller-Thomas C, Gotze K, Germing U, Brummendorf TH, Nolte F, Hofmann WK, Giagounidis AA, Lubbert M, Greenberg PL, Bennett JM, Sole F, Mallo M, Slovak ML, Ohyashiki K, Le Beau MM, Tuchler H, Pfeilstocker M, Nosslinger T, Hildebrandt B, Shirneshan K, Aul C, Stauder R, Sperr WR, Valent P, Fonatsch C, Trumper L, Haase D, Schanz J. Validation of cytogenetic risk groups according to International Prognostic Scoring Systems by peripheral blood CD34+FISH: results from a German diagnostic study in comparison with an international control group. Haematologica. 2015;100(2):205-13. PMID: 25344522. doi: 10.3324/haematol.2014.110452.

2014

Validierung des IPSS-R

Kommentiert von Ulrich Germing - Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie, Universitätsklinikum Düsseldorf.

Anhand von Daten von über 1300 Patienten mit primären MDS, die im Rahmen des deutschen MDS-Registers erhoben wurden, konnte gezeigt werden, dass der von Greenberg et al. (Blood, 2012) publizierte revidierte IPSS ein wichtiges Instrument zur Prognoseabschätzung darstellt. Die Arbeit ist die erste große Validierungsarbeit mit Daten von Patienten, die für die Entwicklung des IPSS-R nicht verwendet wurden. Zudem ist die Publikation ein Beispiel für die vorzügliche Zusammenarbeit innerhalb der deutschen MDS Studiengruppe, die ein einheitliches, an das Düsseldorfer MDS-Register angelehntes Datenblatt zur Dokumentation von MDS-Patienten benutzt und die Daten für dieses Projekt zusammengeführt hat. Die statistischen Analysen wurden erneut durch Herrn Hasford und Herrn Lauseker durchgeführt. Die Entwicklung des IPSS-R fußte auf der Neugruppierung zytogenetischer Risikogruppen, die unter Beteiligung der deutsch-österreichischen MDS-Arbeitsgruppe von den Göttinger Kollegen publiziert wurde (Giagounidis A et al. Cancer. 2014). Die Daten von Neukirchen zeigen, dass der IPSS-R auch zur Prognostizierung von Patienten angewendet werden kann, die chemotherapiert wurden oder eine allogene Blutstammzelltransplantation erhielten. Obwohl der IPSS-R in seiner Anwendung etwas komplexer ist, wird er im Laufe der nächsten Jahre in der klinischen Praxis eine wichtige Rolle spielen, da er in der Identifikation von Patienten mit sehr günstiger Prognose und von Hoch-Risiko-Patienten den anderen Prognosescores überlegen ist. Der IPSS-R wird unter anderem auf der Hompage www.mds-register.de und beim interaktiven Lernprogramm www.mdsdiagnosis.com erläutert.

Neukirchen J, Lauseker M, Blum S, Giagounidis A, Lübbert M, Martino S, Siragusa S, Schlenk RF, Platzbecker U, Hofmann WK, Götze K, Palumbo GA, Magrin S, Kündgen A, Aul C, Hildebrandt B, Hasford J, Kobbe G, Haas R, Germing U. Validation of the revised international prognostic scoring system (IPSS-R) in patients with myelodysplastic syndrome: a multicenter study. Leuk Res. 2014 Jan;38(1):57-64. PMID: 24238640. doi: 10.1016/j.leukres.2013.10.013.

Der MDS- spezifische Komorbiditäten Index ist innerhalb der IPSS-R Risikogruppen von statistischer Bedeutung

Kommentiert von Ulrich Germing - Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie, Universitätsklinikum Düsseldorf.

Die Arbeit von Frau Zipperer zur Bedeutung des MDS-Comorbidity Index (MDS-CI) vor dem Hintergrund des IPSS-R rundet unsere Bemühungen zur Validierung des IPSS-R ab. Anhand von mehr als 1100 Patienten, bei denen zum Diagnosezeitpunkt sowohl der IPSS-R als auch der MDS-CI bestimmt worden war, konnte gezeigt werden, dass das Ausmaß von Komorbiditäten unabhängig vom IPSS-R in multivariaten Analysen prognostische Bedeutung für MDS-Patienten hat. Insbesondere innerhalb der Niedrig-Risiko-Gruppen des IPSS-R konnten mit Hilfe des MDS-CI Patientengruppen mit unterschiedlicher Prognose stratifiziert werden. Natürlich können auch andere
Comorbidity Scores (Zipperer E et al. Haematologica. 2009) zur Anwendung gebracht werden, der MDS-CI ist jedoch durch die Verwendung von nur 5 Parametern (kardiale, hepatische, renale, pulmonale Erkrankungen und Tumore) einfach zu verwenden. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, zum Diagnosezeitpunkt Komorbiditäten zu erfassen und den MDS-CI anzuwenden.

Zipperer E, Tanha N, Strupp C, Kündgen A, Nachtkamp K, Neukirchen J, Hildebrandt B, Haas R, Gattermann N, Germing U. The myelodysplastic syndrome-comorbidity index provides additional prognostic information on patients stratified according to the revised international prognostic scoring system. Haematologica. 2014 Mar;99(3):e31-2. PMID: 24463211. doi: 10.3324/haematol.2013.101055.

Modell zur Vorhersage der Wirkung von Romiplostim bei Niedrig-Risiko-MDS

Kommentiert von Uwe Platzbecker, Silke Gloaguen - Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Dresden; Aristoteles Giagounidis - Marien Hospital Düsseldorf.

Die Veröffentlichung beschreibt die Entwicklung und Validierung eines Modells zur Vorhersage des Ansprechens auf Romiplostim bei Niedrig-Risiko-MDS-Patienten (IPSS LOW/INT-1) mit im Vordergrund stehender Thrombozytopenie. Romiplostim ist ein an den Thrombopoetin (TPO)-Rezeptor bindendes und diesen stimulierendes Fc-Peptid-Fusionsprotein, das in einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie bei ca. einem Drittel unselektionierter MDS-Patienten zu einer Verbesserung der Thrombozytenwerte geführt hat (Giagounidis. Cancer. 2014). Zur besseren Identifizierung der Patienten, die von einer Romiplostim-Therapie profitieren, entwickelte eine internationale Expertengruppe ein Prädiktionsmodell auf der Grundlage zweier Studien (Giagounidis. Cancer. 2014; Kantarjian HM. Blood. 2010), welche in Abhängigkeit (a) der Base-line-TPO-Werte im Serum und (b) der Anzahl vorangegangener Thrombozytentransfusionen zum einen das HI-P (hematologic improvement – platelets) als auch das sogenannte „≥ 50 % Ansprechen“ (definiert als ein Anstieg der Thrombozyten über einen Zeitraum von 50 % oder mehr der gesamten Behandlungszeit) ausgewertet hatten. Das daraus resultierende Modell unterscheidet anhand der errechneten Scores drei Gruppen hinsichtlich des Ansprechens auf Romiplostim, wobei die höchsten Ansprechraten bei Patienten mit niedrigen (< 500 pg/mL) TPO-Werten und vergleichsweise wenigen (< 6 Einheiten) vorhergehenden Thrombozytentransfusionen beobachtet wurden. Damit besteht eine große Analogie zum „EPO-Spiegel“-basierten Modell für die Behandlung der Anämie mit Erythropoetin. Dieses durch retrospektive Analysen entwickelte TPO-basierte Modell soll nun in einem nächsten Schritt prospektiv getestet werden. Eine entsprechende durch das EMSCO koordinierte deutsch-französische Phase II-Studie befindet sich kurz vor dem Start: EUROPE TRIAL-Prospective validation of a predictive model of response to romiplostim in patients with IPSS low or intermediate-1 risk myelodysplastic syndrome (MDS) and thrombocytopenia. Interessierte Zentren können sich bei Silke Gloaguen (silke.gloaguen@uniklinikum-dresden.de) informieren.

Sekeres MA, Giagounidis A, Kantarjian H, Mufti GJ, Fenaux P, Jia C, Yang AS, Platzbecker U. Development and validation of a model to predict platelet response to romiplostim in patients with lower-risk myelodysplastic syndromes. Br J Haematol. 2014 Nov;167(3):337-45. PMID: 25039607. doi: 10.1111/bjh.13037.

2012

Germing U, Lauseker M, Hildebrandt B, Symeonidis A, Cermak J, Fenaux P, Kelaidi C, Pfeilstocker M, Nosslinger T, Sekeres M, Maciejewski J, Haase D, Schanz J, Seymour J, Kenealy M, Weide R, Lubbert M, Platzbecker U, Valent P, Gotze K, Stauder R, Blum S, Kreuzer KA, Schlenk R, Ganser A, Hofmann WK, Aul C, Krieger O, Kundgen A, Haas R, Hasford J, Giagounidis A. Survival, prognostic factors and rates of leukemic transformation in 381 untreated patients with MDS and del(5q): a multicenter study. Leukemia. 2012;26(6):1286-92. PMID: 22289990. doi: 10.1038/leu.2011.391.

Platzbecker U, Schetelig J, Finke J, Trenschel R, Scott BL, Kobbe G, Schaefer-Eckart K, Bornhauser M, Itzykson R, Germing U, Beelen D, Ehninger G, Fenaux P, Deeg HJ, Ades L, German MDSS, Cooperative Transplant Study G, Fred Hutchinson Cancer Research C, Groupe Francophone des M. Allogeneic hematopoietic cell transplantation in patients age 60-70 years with de novo high-risk myelodysplastic syndrome or secondary acute myelogenous leukemia: comparison with patients lacking donors who received azacitidine. Biology of blood and marrow transplantation : journal of the American Society for Blood and Marrow Transplantation. 2012;18(9):1415-21. PMID: 22579634. doi: 10.1016/j.bbmt.2012.05.003.

Schanz J, Tuchler H, Sole F, Mallo M, Luno E, Cervera J, Granada I, Hildebrandt B, Slovak ML, Ohyashiki K, Steidl C, Fonatsch C, Pfeilstocker M, Nosslinger T, Valent P, Giagounidis A, Aul C, Lubbert M, Stauder R, Krieger O, Garcia-Manero G, Faderl S, Pierce S, Le Beau MM, Bennett JM, Greenberg P, Germing U, Haase D. New comprehensive cytogenetic scoring system for primary myelodysplastic syndromes (MDS) and oligoblastic acute myeloid leukemia after MDS derived from an international database merge. J Clin Oncol. 2012;30(8):820-9. PMID: 22331955. doi: 10.1200/JCO.2011.35.6394.

2011

Lubbert M, Suciu S, Baila L, Ruter BH, Platzbecker U, Giagounidis A, Selleslag D, Labar B, Germing U, Salih HR, Beeldens F, Muus P, Pfluger KH, Coens C, Hagemeijer A, Eckart Schaefer H, Ganser A, Aul C, de Witte T, Wijermans PW. Low-dose decitabine versus best supportive care in elderly patients with intermediate- or high-risk myelodysplastic syndrome (MDS) ineligible for intensive chemotherapy: final results of the randomized phase III study of the European Organisation for Research and Treatment of Cancer Leukemia Group and the German MDS Study Group. J Clin Oncol. 2011;29(15):1987-96. PMID: 21483003. doi: 10.1200/JCO.2010.30.9245.

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 21.07.2014, letzte Änderung: 27.10.2015