Die zentrale Biobank des MDS- Verbundprojektes der Deutschen Krebshilfe

Eines der zentralen Projekte des DKH-geförderten MDS-Verbundprojekts ist die Biobank am Standort Düsseldorf. Durch die Korrelation von klinischen Verläufen, die im MDS-Register erhoben werden, mit molekularbiologischen Befunden sollen Biomarker als prognostische und/oder prädiktive Faktoren identifiziert werden.

Autoren: Andreas Stutzki1, Corinna Strupp1, Norbert Gattermann1, Ulrich Germing1, Wolf-Karsten Hofmann2 (aus dem Rundbrief 20, Oktober 2015)
1Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
2III. Medizinische Klinik, Universitätsmedizin Mannheim

Seit Juli 2013 wird die Deutsche MDS-Gruppe durch die Deutsche Krebshilfe im Rahmen des Verbundprojektes „Myelodysplastic syndrome as an age-related clonal disorder of the hematopoietic stem cell“ gefördert (Sprecher: Prof. Dr. med. Wolf-K. Hofmann, Mannheim; Stellvertretender Sprecher: Prof. Dr. med. Ulrich Germing, Düsseldorf). Als eines der zentralen Teilprojekte dieses Verbundes nahm im Oktober 2013 die MDS-Biobank ihre Tätigkeit am Standort Düsseldorf auf. Sie dient als Probenmanagement-Plattform für verschiedene Projekte rund um das Thema MDS, wobei der wissenschaftliche Schwerpunkt auf den zytogenetischen und epigenetischen Aspekten dieser Erkrankung liegt. Die direkte Verknüpfung mit dem MDS-Register in Düsseldorf und die dortige Erfassung klinischer Daten sowohl zum Zeitpunkt der Probengewinnung als auch zum Zeitpunkt der Erstdiagnose und im weiteren Krankheitsverlauf soll die Möglichkeit erschließen, molekularbiologische Befunde im Sinne von Biomarkern mit dem klinischen Verlauf zu korrelieren und dabei ihren Wert als prognostische und/oder prädiktive Faktoren zu erkennen bzw. zu testen. Der Workflow zur Aufarbeitung und Lagerung der Proben einschließlich des Datenerfassungs- und Pseudonymisierungsverfahrens war im Vorfeld gemeinschaftlich von den teilnehmenden Zentren verabredet worden. Hierzu wurde die bereits am Universitäts-Tumorzentrum Düsseldorf etablierte Biobank-Software GenoMatch/SAMVentory so erweitert und modifiziert, dass jetzt zu jeder MDS-Probe, die in die Biobank eingebracht wird, ein klar definierter clinical minimal dataset aus relevanten klinischen Daten dem Datensatz der Biobank-Probe hinzugefügt wird. Das GenoMatch/SAMVentory-System ist eine ursprünglich für die pharmazeutische Industrie entwickelte Software zur optimierten Speicherung und Bereitstellung von Daten im Bereich des Biobankings. Es gewährleistet die Berücksichtigung der Datenschutzrichtlinien und wurde durch den Datenschutzbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein zertifiziert.

Nach standardisierten Verfahren werden die Blut- und Knochenmarkproben aufgearbeitet, so dass dann mononukleäre Zellen (MNC), T-Zellen sowie DNA und RNA eingelagert werden können. Nach ersten Erfahrungen ist die „Ausbeute“ erwartungsgemäß abhängig von patientenbezogenen Kriterien wie beispielsweise Blutzellzahlen, Krankheitsstadium und Therapie, unterliegen aber auch externen Faktoren wie Lagerung und Postlaufzeiten.

Dank motivierter und engagierter Kollegen ist es gelungen, inzwischen Blut- und Knochenmarkproben von ca. 600 MDS-Patienten in der Biobank einzulagern. Nicht immer gelingt es, Blut- und Knochenmarkproben eines Patienten zum selben Zeitpunkt zu gewinnen, da je nach klinischer Situation eventuell keine Knochenmarkpunktion erforderlich ist. Im Rahmen des MDS-Biobank-Projektes ist es jedoch sinnvoll, gegebenenfalls „nur“ eine Blutprobe einzusenden und zu einem späteren Zeitpunkt bei einer dann diagnostisch erforderlichen Beckenkammpunktion zusätzlich eine Knochenmarkprobe für die Biobank zu gewinnen. Dank der Mitarbeit einer Reihe von niedergelassenen Kollegen konnten auch schon zahlreiche Proben zum Zeitpunkt der Erstdiagnose eines MDS registriert werden, so dass sich durch wiederholte Probeneinsendungen (Intervall 6 Monate bei stabilem klinischem Verlauf) die Möglichkeit zur Untersuchung von Veränderungen im Rahmen der klonalen Evolution ergibt.

Wir möchten uns bei allen bisherigen und neu am MDS-Projekt teilnehmenden Zusendern herzlich für ihre Mitarbeit und Unterstützung bedanken und hoffen auf weitere Probenzusendungen, die wir im Sinne unserer MDS-Patienten im Rahmen des Verbundprojektes gemeinschaftlich nutzen werden.

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 27.10.2015, letzte Änderung: 27.10.2015