Publikationen der CML Studiengruppe

2015

Kombinationstherapie kann CML heilen

Kommentiert von Andreas Burchert1 und Andreas Hochhaus2
1 Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Marburg;
2 Abt. f. Hämatologie und Internistische Onkologie, Universitätsklinikum Jena, Jena.

Nur wenige CML-Patienten können nach Erreichen einer tiefen molekularen Remission die Standardtherapie mit einem Tyrosinkinaseinhibitor (TKI) wie Imatinib (IM) dauerhaft beenden, ohne dass es zu einem molekularen Rezidiv kommt. Burchert et al. konnten kürzlich zeigen, dass bei Kombination von IM mit Interferon alpha (IFN) Imatinib unter Fortsetzung von niedrigdosiertem IFN im Median bereits nach 2,4 Jahren in 70 % der Patienten dauerhaft abgesetzt werden konnte, obwohl die Patienten beim Pausieren von IM ein noch geringes molekulares Ansprechen erreicht hatten. Auch die IFN-Therapie konnte bei 9 von 10 Patienten nach einer medianen Therapiedauer von 4,5 Jahren rückfallfrei beendet werden. Die mediane therapiefreie Beobachtungszeit beträgt aktuell über 3 Jahre. Interessanterweise verbesserte sich bei allen Patienten auch ohne Imatinib die molekulare Remissionstiefe deutlich. Die Autoren schlussfolgern, dass eine Kombination bestehend aus einem TKI und niedrig dosiertem IFN mit nachfolgender IFN-Erhaltung es den meisten Patienten ermöglichen könnte, therapiefrei zu werden. Dieses Behandlungskonzept wird derzeit im Rahmen der CML-V Studie TIGER randomisiert getestet.

Burchert A, Saussele S, Eigendorff E, Muller MC, Sohlbach K, Inselmann S, Schutz C, Metzelder SK, Ziermann J, Kostrewa P, Hoffmann J, Hehlmann R, Neubauer A, Hochhaus A. Interferon alpha 2 maintenance therapy may enable high rates of treatment discontinuation in chronic myeloid leukemia. Leukemia. 2015;29(6):1331-5. PMID: 25712735. doi: 10.1038/leu.2015.45.

CML‐Sonderheft der Annals of Hematology: CML - wo stehen wir 2015?

Kommentiert von Rüdiger Hehlmann - III. Medizinische Klinik, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Mannheim

Die Annals of Hematology haben den Fortschritten bei CML ein Sonderheft gewidmet. In 15 Originalreviews mit einem Editorial wird ein Überblick über den Stand des Wissens Anfang 2015 gegeben. Die Themen der 15 Reviews sind die Molekularbiologie der CML, die aktuellen Optionen der Erst‐ und Zweitlinientherapie mit Managementempfehlungen, die Nebenwirkungsspektren aller TKI mit Ratschlägen, wie Nebenwirkungen vermieden oder behandelt werden können, die Behandlung der Blastenkrise, Management der CML während der Schwangerschaft mit Therapiealternativen und Gewährleistung der Fertilität, Stammzelltransplantation bei Niedrigrisikopatienten mit niedrigem Transplantationsrisiko, Monitoring der Erkrankung, frühe molekulare Remissionsprädiktoren, Epidemiologie der CML und die hohen Kosten der TKI unter Berücksichtigung von generischem Imatinib.
Die Reviews schaffen die Voraussetzung für ein besseres Verständnis aktueller Entwicklungen bei CML in Forschung, Krankheitsmanagement und öffentlicher Gesundheit.

Hehlmann, issue ed. Chronic Myeloid Leukemia. Ann Hematol. 2015 Apr;94 Suppl 2.

Sicherheit und Wirksamkeit von Imatinib bei chronischer myeloischer Leukämie während einer Beobachtungszeit von 10 Jahren: Daten der randomisierten CML Studie IV

Kommentiert von Rüdiger Hehlmann - III. Medizinische Klinik, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Mannheim

Die Daten der randomisierten CML Studie IV (IM400 vs. IM800 vs. IM in Kombination mit IFN oder AraC) wurden für eine Langzeit‐Evaluation von Imatinib (IM) genutzt. Von Juli 2002 bis März 2012 wurden 1551 Patienten randomisiert. Zum 10‐Jahres‐Zeitpunkt waren 1442 Patienten molekular auswertbar. 59 % erreichten eine molekulare Remission MR5, 72 % MR4.5, 81 % MR4, 89 % MMR und 92 % MR2. Alle Remissionen außer MR5 wurden rascher unter IM800 mg erreicht. Das 10-Jahres-Gesamtüberleben lag bei 84 %. 1379 Patienten erhielten IM als Monotherapie. Die 8‐Jahres‐Wahrscheinlichkeit unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) lag bei 76 %. Am häufigsten waren Ödeme, gastrointestinale Beschwerden, Muskel‐ und Gelenkschmerzen, Hautprobleme, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel. Die meisten UAW traten in den ersten 1-3 Jahren auf und waren meist leicht und reversibel. Neue Spättoxizitäten wurden nicht beobachtet. IM stellt weiterhin für die meisten CML-Patienten eine ausgezeichnete Option für die Erstlinientherapie dar. Dies ist besonders interessant im Hinblick auf die künftige Verfügbarkeit von generischem Imatinib.

Kalmanti L, Saussele S, Lauseker M, Muller MC, Dietz CT, Heinrich L, Hanfstein B, Proetel U, Fabarius A, Krause SW, Rinaldetti S, Dengler J, Falge C, Oppliger-Leibundgut E, Burchert A, Neubauer A, Kanz L, Stegelmann F, Pfreundschuh M, Spiekermann K, Scheid C, Pfirrmann M, Hochhaus A, Hasford J, Hehlmann R. Safety and efficacy of imatinib in CML over a period of 10 years: data from the randomized CML-study IV. Leukemia. 2015;29(5):1123-32. PMID: 25676422. doi: 10.1038/leu.2015.36.

2014

BCR-ABL-unabhängige Genmutationen in CML-Patienten

Kommentiert von Thomas Ernst - Klinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum Jena

Die Suche nach einem möglichen „prä-BCR-ABL-Ereignis“ in CML-Patienten bildete den Schwerpunkt der Untersuchungen aus der Arbeitsgruppe von PD Dr. Thomas Ernst am Universitätsklinikum Jena. Methodisch wurde eine Next-Generation-Sequencing-Methode zur simultanen und hochsensitiven Analyse der häufigsten mutierten Leukämie-assoziierten Gene etabliert („Jena-454-Leukämie-Chip“). Hiermit konnten erstmals zusätzlich zum BCR-ABL-Fusionsgen häufige BCR-ABL-unabhängige Mutationen in den Genen ASXL1, DNMT3A, EZH2, RUNX1, TET2, TP53, U2AF1 und ZRSR2 identifiziert werden. Bemerkenswert war die hohe Prävalenz von Mutationen in epigenetischen Regulatorgenen. In weiterführenden Klonalitätsuntersuchungen ließ sich für einige Patienten zeigen, dass sich die BCR-ABL-Translokation mit hoher Wahrscheinlichkeit als sekundäres Ereignis in einem vorbestehenden Stammzellklon ereignet hat, entsprechend einer Mehrschritt-Pathogenese der CML. Derartige BCR-ABL-unabhängige molekulare Aberrationen könnten wichtige Faktoren für die klonale Evolution der CML darstellen und sowohl prognostisch als auch therapeutisch in Zukunft von Bedeutung sein.

Schmidt M, Rinke J, Schafer V, Schnittger S, Kohlmann A, Obstfelder E, Kunert C, Ziermann J, Winkelmann N, Eigendorff E, Haferlach T, Haferlach C, Hochhaus A, Ernst T. Molecular-defined clonal evolution in patients with chronic myeloid leukemia independent of the BCR-ABL status. Leukemia. 2014;28(12):2292-9. PMID: 25212276. doi: 10.1038/leu.2014.272.

MR4,5 ist ein neuer prädiktiver Marker für die Langzeitprognose bei CML

Kommentiert von Susanne Saußele - III. Medizinische Klinik, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg für die CML-Studiengruppe.

Die Bedeutung der Tiefe des molekularen Ansprechens für die Prognose der CML und als Behandlungsziel ist unklar. Nach Cross et al. (Leukemia 2012) ist die Tiefe des molekularen Ansprechens definiert als MMR, MR4, MR4,5 und MR5. In der Arbeit von Hehlmann et al. wird die Bedeutung von MR4,5 (> 4,5 log Reduktion von BCR-ABL, entsprechend < 0,0032 % BCR-ABL/ABL auf der Internationalen Skala (IS)) für CML-Patienten in der randomisierten CML Studie IV näher beschrieben. 1.524 von 1.551 randomisierten Patienten waren evaluierbar. Nach einer medianen Beobachtungszeit von 67,5 Monaten war die kumulative Inzidenz von MR4,5 nach neun Jahren 70 %, die einer bestätigten MR4,5 (in zwei konsekutiven Proben nachweisbar) 54 %. MR4,5 wurde von Patienten im dosisoptimierten Imatinib 800 mg Arm schneller erreicht als von Patienten unter Imatinib 400 mg/d (p=0,016). In einer Vierjahres-Landmark-Analyse unabhängig von der Therapie zeigte sich, dass Patienten, die eine MR4,5 erreicht hatten, ein signifikant höheres Gesamtüberleben nach acht Jahren erreichten als Patienten mit einem molekularen Ansprechlevel von BCR-ABL/ABL 0,1-1 % IS (92 % vs. 83 %, p=0,047). Kein Patient, der eine bestätigte MR4,5 erreichte, erlitt eine Krankheitsprogression. Zusammenfassend ist festzustellen, dass MR4,5 ein neuer prädiktiver molekularer Marker für die Langzeitprognose bei CML ist. MR4,5 ist von der Mehrzahl der Imatinib-behandelten Patienten zu erreichen und ist unter dosisoptimiertem Imatinib schneller erreichbar als unter Standard-Imatinib-Therapie. Im Hinblick auf Absetzstudien in der CML, für die ein tieferes molekulares Ansprechen Voraussetzung ist, liefert diese Arbeit hiermit wichtige Informationen zu MR4,5.

Hehlmann R, Müller MC, Lauseker M, Hanfstein B, Fabarius A, Schreiber A, Proetel U, Pletsch N, Pfirrmann M, Haferlach C, Schnittger S, Einsele H, Dengler J, Falge C, Kanz L, Neubauer A, Kneba M, Stegelmann F, Pfreundschuh M, Waller CF, Spiekermann K, Baerlocher GM, Ehninger G, Heim D, Heimpel H, Nerl C, Krause SW, Hossfeld DK, Kolb HJ, Hasford J, Saußele S, Hochhaus A. Deep molecular response is reached by the majority of patients treated with imatinib, predicts survival, and is achieved more quickly by optimized high-dose imatinib: results from the randomized CML-study IV. J Clin Oncol. 2014 Feb 10;32(5):415-23. PMID: 24297946. doi: 10.1200/JCO.2013.49.9020.

Hanfstein B, Lauseker M, Hehlmann R, Saussele S, Erben P, Dietz C, Fabarius A, Proetel U, Schnittger S, Haferlach C, Krause SW, Schubert J, Einsele H, Hanel M, Dengler J, Falge C, Kanz L, Neubauer A, Kneba M, Stegelmann F, Pfreundschuh M, Waller CF, Spiekermann K, Baerlocher GM, Pfirrmann M, Hasford J, Hofmann WK, Hochhaus A, Muller MC, Sakk, the German CMLSG. Distinct characteristics of e13a2 versus e14a2 BCR-ABL1 driven chronic myeloid leukemia under first-line therapy with imatinib. Haematologica. 2014;99(9):1441-7. PMID: 24837466. doi: 10.3324/haematol.2013.096537.

Hanfstein B, Shlyakhto V, Lauseker M, Hehlmann R, Saussele S, Dietz C, Erben P, Fabarius A, Proetel U, Schnittger S, Krause SW, Schubert J, Einsele H, Hanel M, Dengler J, Falge C, Kanz L, Neubauer A, Kneba M, Stegelmann F, Pfreundschuh M, Waller CF, Spiekermann K, Baerlocher GM, Pfirrmann M, Hasford J, Hofmann WK, Hochhaus A, Muller MC, Sakk, the German CMLSG. Velocity of early BCR-ABL transcript elimination as an optimized predictor of outcome in chronic myeloid leukemia (CML) patients in chronic phase on treatment with imatinib. Leukemia. 2014;28(10):1988-92. PMID: 24798484. doi: 10.1038/leu.2014.153.

Hehlmann R, Hasford J, Pfirrmann M, Lauseker M, Saussele S, Hochhaus A, Schweizer Arbeitsgemeinschaft fur k, German CMLSG. Reply to H. Kantarjian et al. J Clin Oncol. 2014;32(27):3078-9. PMID: 25002729. doi: 10.1200/JCO.2014.56.3908.

Kalmanti L, Saussele S, Lauseker M, Proetel U, Muller MC, Hanfstein B, Schreiber A, Fabarius A, Pfirrmann M, Schnittger S, Dengler J, Falge C, Kanz L, Neubauer A, Stegelmann F, Pfreundschuh M, Waller CF, Spiekermann K, Krause SW, Heim D, Nerl C, Hossfeld DK, Kolb HJ, Hochhaus A, Hasford J, Hehlmann R, German Chronic Myeloid Leukemia Study G, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft fur Klinische K. Younger patients with chronic myeloid leukemia do well in spite of poor prognostic indicators: results from the randomized CML study IV. Annals of hematology. 2014;93(1):71-80. PMID: 24162333. doi: 10.1007/s00277-013-1937-4.

Lauseker M, Hanfstein B, Haferlach C, Schnittger S, Pfirrmann M, Fabarius A, Schlegelberger B, Saussele S, Dietz CT, Erben P, Hehlmann R, Hasford J, Hochhaus A, Muller MC. Equivalence of BCR-ABL transcript levels with complete cytogenetic remission in patients with chronic myeloid leukemia in chronic phase. J Cancer Res Clin Oncol. 2014;140(11):1965-9. PMID: 24952896. doi: 10.1007/s00432-014-1746-8.

Lauseker M, Hasford J, Hoffmann VS, Muller MC, Hehlmann R, Pfirrmann M, German CMLSG. A multi-state model approach for prediction in chronic myeloid leukaemia. Annals of hematology. 2014;PMID: 25465231. doi: 10.1007/s00277-014-2246-2.

Lauseker M, Hasford J, Pfirrmann M, Hehlmann R, German CMLSG. The impact of health care settings on survival time of patients with chronic myeloid leukemia. Blood. 2014;123(16):2494-6. PMID: 24622328. doi: 10.1182/blood-2013-11-539742.

Pfirrmann M, Saussele S, Hochhaus A, Reiter A, Berger U, Hossfeld DK, Nerl C, Scheid C, Spiekermann K, Mayer J, Hellmann A, Lechner K, Falge C, Sayer HG, Bunjes D, Ganser A, Beelen DW, Baldomero H, Schanz U, Heimpel H, Kolb HJ, Hasford J, Gratwohl A, Hehlmann R, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft fur Klinische F, German CMLSG. Explaining survival differences between two consecutive studies with allogeneic stem cell transplantation in patients with chronic myeloid leukemia. J Cancer Res Clin Oncol. 2014;140(8):1367-81. PMID: 24718719. doi: 10.1007/s00432-014-1662-y.

Proetel U, Pletsch N, Lauseker M, Muller MC, Hanfstein B, Krause SW, Kalmanti L, Schreiber A, Heim D, Baerlocher GM, Hofmann WK, Lange E, Einsele H, Wernli M, Kremers S, Schlag R, Muller L, Hanel M, Link H, Hertenstein B, Pfirrman M, Hochhaus A, Hasford J, Hehlmann R, Saussele S, German Chronic Myeloid Leukemia Study G, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft fur Klinische K. Older patients with chronic myeloid leukemia (>/=65 years) profit more from higher imatinib doses than younger patients: a subanalysis of the randomized CML-Study IV. Annals of hematology. 2014;93(7):1167-76. PMID: 24658964. doi: 10.1007/s00277-014-2041-0.

2013

Modell zur Berechnung molekularer Rezidive nach Absetzen von Imatinib

Kommentiert von Susanne Saußele - III. Medizinische Klinik, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg für die CML-Studiengruppe.

In dieser Arbeit wird ein mathematisches Modell beschrieben, das mit Hinblick auf ein mögliches Absetzen der Therapie aus Daten von CML-Patienten errechnet wurde. Es zeigte sich, dass bei CML-Patienten unter Imatinib-Therapie die BCR-ABL Transkriptlevel heterogen zweiphasisch absinken. Mit dem Modell kann berechnet werden, dass 14 % der Patienten eine komplette Eradikation des leukämischen Klons innerhalb von 15 Jahren erreichen können. Unter der Annahme des Absetzens der Therapie wurde ein mögliches molekulares Rezidiv errechnet. 31 % der Patienten würden zwei Jahre nach Absetzen weiterhin in MR5 verbleiben, während bei 69 % der Patienten ein molekulares Rezidiv nachweisbar wäre. Zusammenfassung: Mithilfe dieses Modells könnten molekulare Rezidive nach Absetzen reduziert werden. Eine prospektive Validierung sollte angestrebt werden.

Horn M, Glauche I, Müller MC, Hehlmann R, Hochhaus A, Loeffler M, Roeder I. Model-based decision rules reduce the risk of molecular relapse after cessation of tyrosine kinase inhibitor therapy in chronic myeloid leukemia. Blood. 2013 Jan 10;121(2):378-84. PMID: 23175686. doi: 10.1182/blood-2012-07-441956.

2012

Behandlung der CML-Blastenkrise

Kommentiert von Susanne Saußele - III. Medizinische Klinik, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg für die CML-Studiengruppe.

Die Behandlung der Blastenkrise (BK) der CML ist, obwohl nach Einführung der Tyrosinkinaseinhibitoren sehr viel seltener auftretend, nach wie vor eine Herausforderung. In diesem Review wird neben einer pathogenetischen Übersicht eine Aufstellung über die Behandlungsmöglichkeiten nach BK-Diagnose gegeben. Generelles Ziel ist eine allogene Stammzelltransplantation mit vorherigem Erreichen einer zweiten chronischen Phase, besser noch einer Remission (CHR oder besser). Da die Behandlung schwierig ist, sollte der Fokus der Therapie vor Auftreten der BK auf der frühzeitigen Erkennung von Risikopatienten liegen.

Hehlmann R. How I treat CML blast crisis. Blood. 2012 Jul 26;120(4):737-47. PMID: 22653972. doi: 10.1182/blood-2012-03-380147.

Grundlagen und Richtlinien zur Auswertung von CML-Studien

Kommentiert von Susanne Saußele - III. Medizinische Klinik, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg für die CML-Studiengruppe.

In beiden Arbeiten werden wichtige Grundlagen für die Auswertung von CML-Studien diskutiert, die eine Vergleichbarkeit von Ergebnissen möglich machen sollten. Es werden Guidelines für eine adäquate statistische Auswertung hinsichtlich relevanter Endpunkte wie versagenfreies, ereignisfreies, progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben sowie für molekulares, zytogenetisches und hämatologisches Ansprechen gegeben. In der Arbeit von Pfirrmann et al. werden Beispiele beschrieben - auch anhand der Anwendung suboptimaler Methoden. Insbesondere wird hier die Anwendung der competing risk Funktion genauer erläutert.

Guilhot J, Baccarani M, Clark RE, Cervantes F, Guilhot F, Hochhaus A, Kulikov S, Mayer J, Petzer AL, Rosti G, Rousselot P, Saglio G, Saussele S, Simonsson B, Steegmann JL, Zaritskey A, Hehlmann R. Definitions, methodological and statistical issues for phase 3 clinical trials in chronic myeloid leukemia: a proposal by the European LeukemiaNet. Blood. 2012 Jun 21;119(25):5963-71. PMID: 22508936. doi: 10.1182/blood-2011-10-383711.

Pfirrmann M, Hochhaus A, Lauseker M, Saussele S, Hehlmann R, Hasford J. Recommendations to meet statistical challenges arising from endpoints beyond overall survival in clinical trials on chronic myeloid leukemia. Leukemia. 2011 Sep;25(9):1433-8. PMID: 21597465. doi: 10.1038/leu.2011.116.

Hanfstein B, Muller MC, Hehlmann R, Erben P, Lauseker M, Fabarius A, Schnittger S, Haferlach C, Gohring G, Proetel U, Kolb HJ, Krause SW, Hofmann WK, Schubert J, Einsele H, Dengler J, Hanel M, Falge C, Kanz L, Neubauer A, Kneba M, Stegelmann F, Pfreundschuh M, Waller CF, Branford S, Hughes TP, Spiekermann K, Baerlocher GM, Pfirrmann M, Hasford J, Saussele S, Hochhaus A, Sakk, German CMLSG. Early molecular and cytogenetic response is predictive for long-term progression-free and overall survival in chronic myeloid leukemia (CML). Leukemia. 2012;26(9):2096-102. PMID: 22446502. doi: 10.1038/leu.2012.85.

2011

Dosisanpassung nach Verträglichkeit verbessert die Ergebnisse einer intensiven Imatinibtherapie

Kommentiert von Andreas Hochhaus - Abteilung Hämatologie/Onkologie, Universitätsklinikum Jena für die CML-Studiengruppe.

In der CML-IV-Studie wurden 1.014 neu diagnostizierte CML-Patienten in chronischer Phase zwischen den Therapiearmen Imatinib 800 mg/d, Imatinib 400 mg/d oder Imatinib 400 mg/d plus Interferon alpha (IFN) randomisiert. Alle drei Therapieoptionen wurden gut toleriert mit ähnlichen Grad 3- oder 4-Toxizitäten. Unabhängig von der Therapie war das Erreichen der MMR nach 12 Monaten mit einem besseren progressionsfreien Überleben und besserem Gesamtüberleben assoziiert. Hauptergebnisse der CML-IV-Studie der Deutschen CMLStudiengruppe sind die Überlegenheit der intensiveren Imatinibtherapie (800 mg Zieldosis, ca. 650 mg tatsächliche Dosis) bezüglich guter molekularer Remission und die prognostische Bedeutung des molekularen Ansprechens nach einem Jahr (BCR-ABL < 1 %) für das Gesamtüberleben. Eine Dosisanpassung nach Verträglichkeit erhöht die Persistenz der Therapie und verbessert die Langzeitergebnisse. Die individuelle Dosisanpassung ist der wesentliche Unterschied der CML-IV-Studie zur Novartis-initiierten TOPS-Studie, die keine Verbesserung der Langzeitergebnisse unter der Hochdosis-Imatinibtherapie zeigen konnte.

Hehlmann R, Lauseker M, Jung-Munkwitz S, Leitner A, Müller MC, Pletsch N, Proetel U, Haferlach C, Schlegelberger B, Balleisen L, Hänel M, Pfirrmann M, Krause SW, Nerl C, Pralle H, Gratwohl A, Hossfeld DK, Hasford J, Hochhaus A, Saussele S. Tolerability-adapted imatinib 800 mg/d versus 400 mg/d versus 400 mg/d plus interferon-α in newly diagnosed chronic myeloid leukemia. J Clin Oncol. 2011 Apr 20;29(12):1634-42. PMID: 21422420. doi: 10.1200/JCO.2010.32.0598.

Schlechte Prognose für CML mit Major-Route-Zusatzaberrationen

Kommentiert von Andreas Hochhaus - Abteilung Hämatologie/Onkologie, Universitätsklinikum Jena für die CML-Studiengruppe.

Die prognostische Relevanz der zusätzlichen zytogenetischen Aberrationen bei Diagnosestellung der CML war lange Zeit umstritten. Auf der Grundlage der Daten der deutschen CML-Studie IV wurde der Einfluss von Zusatzaberrationen auf die Remissionsqualität, das progressionsfreie und Gesamtüberleben bei 1.151 Ph-positiven Patienten in chronischer Phase untersucht. Die Analyse zeigte, dass die initiale Zytogenetik aus dem Knochenmark nach wie vor ein wichtiger Baustein zum Management von CML-Patienten ist. Major-Route-Zusatzaberrationen zum Diagnosezeitpunkt haben eine negative Auswirkung auf das Überleben und induzieren eine rasche Progression in die akzelerierte Phase bzw. Blastenkrise. Deshalb werden Patienten mit Trisomien 8 oder 19, zweitem Philadelphia-Chromosom oder Isochromosom 17 wegen der aufgetretenen Zweitaberrationen als akzelerierte Phase klassifiziert. Andere zytogenetische Aberrationen, insbesondere variante t(9;22)-Translokationen mit initialer Beteiligung eines dritten Chromosoms sind Ausdruck der primären Veränderung und nicht Zeichen einer Akzeleration oder schlechteren Prognose unter Tyrosinkinaseinhibitortherapie.

Fabarius A, Leitner A, Hochhaus A, Müller MC, Hanfstein B, Haferlach C, Göhring G, Schlegelberger B, Jotterand M, Reiter A, Jung-Munkwitz S, Proetel U, Schwaab J, Hofmann WK, Schubert J, Einsele H, Ho AD, Falge C, Kanz L, Neubauer A, Kneba M, Stegelmann F, Pfreundschuh M, Waller CF, Spiekermann K, Baerlocher GM, Lauseker M, Pfirrmann M, Hasford J, Saussele S, Hehlmann R. Impact of additional cytogenetic aberrations at diagnosis on prognosis of CML: long-term observation of 1151 patients from the randomized CML Study IV. Blood. 2011 Dec 22;118(26):6760-8. PMID: 22039253. doi: 10.1182/blood-2011-08-373902.

Der neue EUTOS-Score

Kommentiert von Andreas Hochhaus - Abteilung Hämatologie/Onkologie, Universitätsklinikum Jena für die CML-Studiengruppe.

Die bisherigen diagnostischen CML-Prognosescores nach Sokal und Hasford wurden unter Chemotherapie bzw. IFN-Therapie entwickelt und validiert. Die Prognose von CML-Patienten wurde durch Einführung der Tyrosinkinaseinhibitoren aber grundlegend verändert. Endpunkt der Studien ist nicht mehr das Gesamtüberleben, sondern zytogenetische bzw. molekulare Meilensteine (komplette zytogenetische Remission, CCyR). Die vorliegende Arbeit beschreibt einen neuen Prognosescore, der die Möglichkeit des Erfassens von Risikopatienten deutlich vereinfacht und verbessert. Der EUTOS-Score sagt die Wahrscheinlichkeit einer CCyR nach 18 Monaten Therapie voraus. Die stärksten Prädiktoren hierfür sind die Milzgröße und der prozentuale Anteil der Basophilen. Die Milzgröße wird ertastet und in cm unter dem Rippenbogen angegeben, der Anteil der Basophilen wird aus dem peripheren Blut bestimmt. Beide Werte werden prätherapeutisch erfasst. Da vier bzw. sechs Prognoseparameter zum Diagnosezeitpunkt nach Anbehandlung der Patienten nicht immer zur Verfügung stehen, ist die Verwendung des Scores aus nur zwei Parametern sehr sinnvoll.

Hasford J, Baccarani M, Hoffmann V, Guilhot J, Saussele S, Rosti G, Guilhot F, Porkka K, Ossenkoppele G, Lindoerfer D, Simonsson B, Pfirrmann M, Hehlmann R. Predicting complete cytogenetic response and subsequent progression-free survival in 2060 patients with CML on imatinib treatment: the EUTOS score. Blood. 2011 Jul 21;118(3):686-92. PMID: 21536864. doi: 10.1182/blood-2010-12-319038.

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 21.07.2014, letzte Änderung: 27.10.2015