Förderprojekt 2008

Morphologie-Plattform im Rahmen des Kompetenznetzes Akute und Chronische Leukämien

Autoren: Aristoteles Giagounidis, St. Johannes-Hospital Duisburg; Winfried Gassmann, St. Marien-Krankenhaus Siegen (aus dem Rundbrief 13, Februar 2009).

Die morphologische Evaluation ist international schlecht standardisiert und stellt insbesondere bei Erkrankungen mit sowohl quantitativen als auch qualitativen morphologischen Anomalien eine besondere Herausforderung dar. Trotzdem bleibt die zytologische Blut- und Knochenmarkuntersuchung weiterhin eine bedeutende Untersuchungsmethode in der Hämatologie, da sie kostengünstig, rasch durchführbar und schnell auswertbar ist. In Vorarbeiten im Rahmen des Kompetenznetzes „Akute und Chronische Leukämien“ konnten wir mit Hilfe nationaler und internationaler Morphologie-Experten zeigen, dass die Korrelation zwischen verschiedenen Untersuchern bei einfachen, sogenannten ja/nein-Diagnosen, 100% beträgt. Dazu gehören zum Beispiel blastenreiche akute Leukämien, megaloblastäre Anämien, aber auch normale Knochenmarkbefunde mit leichten reaktiven Veränderungen. Wesentlich schwieriger sind Diagnosen, die neben quantitativer Evaluation der Erythropoese oder des medullären Blastenanteils auch qualitative Veränderungen einbringen: Dies ist regelhaft bei myelodysplastischen Syndromen zu beobachten, bei denen entweder niedrig-Risiko-Erkrankungen mit < 5 % Blasten im Knochenmark vorliegen, oder aber fortgeschrittene Erkrankungen, bei denen der Blastenanteil 5 % übersteigt. Die neuen Klassifikationen der WHO schreiben hier eine genaue Bestimmung des medullären Blastenanteils vor, der aber insbesondere in den Grenzbereichen zu niedrig-Risiko-erkrankungen, bzw. zwischen refraktärer Anämie mit Blastenexzess I und Blastenexszess II schwierig ist. Diese Unterscheidungen sind jedoch von klinischer Relevanz, da einerseits die Zulassung bestimmter Medikamente an die genaue Diagnose gekoppelt ist, andererseits aber auch die prognostische Einschätzung des Patienten zu therapeutischen Leitpfaden führt, die im Extremfall zwischen wait & watch und intensiver Chemotherapie mit allogener Blutstammzellentransplantation variieren kann.

In diesem Projekt sollen jetzt die schwierigsten Diagnosen von Knochenmarkproben, d.h. die myelodysplastischen Syndrome, in allen Untergruppen (von refraktärer Anämie bis RAEB-II) in 7 nationale und internationale Referenzlaboratorien ausgesandt und die Abweichungen zwischen den Untersuchern festgehalten werden. Gleichzeitig wollen wir in einer Pilotphase die immunphänotypische und morphologische Diagnoseübereinstimmung an etwa 30 MDS-Knochenmarkproben klären. Entscheidend wird dabei sein, nicht die Korrelation zwischen den Experten durch Konsensuskonferenzen auf ein Höchstmass steigern zu wollen, sondern die Problemfelder aufzuzeigen, die einer Lösung bedürfen. So könnte eine Standardisierung der Punktionstechnik und der Färbungen bereits eine deutliche Verbesserung der Ergebnisse bedingen. Gleichzeitig könnte es notwendig werden, dass eine zweite, von der Morphologie unabhängige Untersuchungsmethode (Durchflusszytometrie) als notwendige Zusatzmassnahme identifiziert wird, die helfen kann, den Blastenanteil korrekt zu quantifizieren. Auch dazu werden Standardisierungen unverzichtbar sein.

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 15.07.2015, letzte Änderung: 15.07.2015