Risikofaktoren

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 10.000 Menschen neu an Leukämien. In den meisten Fällen bleiben die Ursachen ebenso unklar wie die Frage, warum der Körper die veränderten Zellen nicht erkennt und beseitigt, wie dies normalerweise der Fall wäre. Nachdem über eine lange Zeit verschiedene Auslöser diskutiert worden sind, gelten heute insbesondere Strahleneinwirkung, Benzole und Zytostatika als gesicherte Risikofaktoren. Die Rolle anderer Faktoren steht weiterhin zur Debatte.

Strahleneinwirkung als Risikofaktor für Leukämie

Die Einwirkung von ionisierender Strahlung, einer Sammelbezeichnung für Röntgen-, ultraviolette und radioaktive Strahlen, wird seit langem als eine mögliche Entstehungsursache für Leukämien vermutet. Bevor dieses Risiko erkannt wurde, erkrankten Radiologen, die über einen längeren Zeitraum hohen Strahlendosen ausgesetzt waren, sehr viel häufiger an Leukämie, als durch das normale Zufallsrisiko zu erwarten gewesen wäre.

Eine extrem hohe Strahlenbelastung, wie durch die Atombombenexplosionen in Japan während des zweiten Weltkriegs und die Reaktorunglücke in Tschernobyl und Fukushima verursacht, gelten heute als gesicherter Risikofaktor für Leukämien. Dieser Zusammenhang wurde am überzeugendsten in einer Studie über die Überlebensdauer von Einwohnern in Hiroshima und Nagasaki nach dem Atombombenabwurf 1945 festgestellt, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von akuter myeloischer Leukämie (AML) und chronischer myeloischer Leukämie (CML) deutlich belegt.

Der Einsatz von Röntgenstrahlen zur Untersuchung gilt nicht als Leukämie auslösend. Trotzdem weiß man, dass sich der Effekt von Röntgenstrahlen im Körper im Laufe des Lebens addiert. Deshalb gilt, dass Röntgenuntersuchungen nur dann durchgeführt werden sollen, wenn sie wirklich notwendig sind. Durch Dokumentation von Röntgenuntersuchungen in besonderen „Röntgenpässen“ und Aufbewahren von Röntgenbildern können auch Patienten dazu beitragen, dass unnötige Aufnahmen vermieden werden.

Erhöhtes Leukämierisiko durch Benzol und Zytostatika

Benzol ist Bestandteil aller fossilen Brennstoffe und auch in Tabakrauch und Abgasen von Kraftfahrzeugen enthalten. Als Lösungsmittel finden Benzol und verwandte Stoffe (z.B. Phenol) vielfältige Anwendung in der chemischen Industrie. Bereits seit über 100 Jahren ist die gesundheitsschädliche Wirkung dieser Chemikalie bekannt. Im Jahr 2009 wurden „Erkrankungen des Blutes, des blutbildenden und des lymphatischen Systems durch Benzol“, zu denen auch die akuten und chronischen Leukämien zählen, als Berufskrankheit anerkannt (Bk-Nr. 1318). Somit gelten Benzol und seine Derivate (abgeleitete Stoffe ähnlicher chemischer Struktur) als gesicherte Risikofaktoren bei der Entstehung von Leukämie.

Bei anderen Chemikalien (z.B. Pestizide und industrielle Lösungsmittel) gestaltet sich der Nachweis eines Zusammenhangs zwischen Exposition und Erkrankung schwieriger. Obwohl bestimmte Chemikalien direkt knochenmarktoxisch wirken, scheinen andere Faktoren dabei zusätzlich eine Rolle zu spielen.

In seltenen Fällen können auch chemische Substanzen, die als Zytostatika selbst zur Behandlung von Krebs eingesetzt werden, auch noch nach Jahren das Risiko einer Leukämieentstehung erhöhen. Hierzu gehören die sogenannten Alkylanzien (z.B. Chlorambucil, Cyclophosphamid, Carmustin).

Genetische Risikofaktoren

Die unterschiedlichen Mutationen, die der Leukämieentstehung zugrunde liegen, machen deutlich, dass diese Veränderungen des Erbguts nach der Geburt erworben und nicht vererbt worden sind. Hierbei spielen nicht nur die äußeren Einflüsse eine Rolle, sondern auch genetische Faktoren. In vielen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass insbesondere Mechanismen, die die Stabilität und Reparatur des Erbguts garantieren sollen, an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind. Einige Menschen, die entweder zu viele oder zu wenige oder aber leicht zerbrechliche Chromosomen besitzen, haben ein erhöhtes Risiko, an einer akuten Leukämie zu erkranken, beispielsweise Kinder mit Trisomie 21, dem sogenannten Down-Syndrom.

HTL-Viren verursachen eine seltene T-Zell-Leukämie

Das humane T-lymphotrope Virus (HTLV), das vor allem in Japan, der Karibik und in bestimmten Gebieten Afrikas und Südamerikas nachzuweisen ist, befällt menschliche T-Zellen und kann in seltenen Fällen eine besondere Form der T-Zell-Leukämie auslösen. Das Risiko, als HTLV-Infizierter an dieser besonderen Art der Leukämie zu erkranken, liegt bei 1-2 %. Da das Virus in Deutschland und Europa jedoch kaum auftritt, ist die T-Zell-Leukämie, die durch HTLV verursacht wird, in unseren Breiten äußerst selten. Für alle anderen Leukämieformen konnte bisher kein Virus als Auslöser oder Risikofaktor nachgewiesen werden.

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 25.07.2014, letzte Änderung: 30.03.2015