Blut und Blutbildung

Jeder erwachsene Mensch hat etwa 5 bis 6 Liter Blut, das in erster Linie eine Transportfunktion im Körper übernimmt: Es führt den Zellen Nährstoffe und Sauerstoff zu, bringt Abbauprodukte wie Kohlenstoffdioxid oder Harnstoff zu den entsprechenden Ausscheidungsorganen und transportiert Botenstoffe, die von verschiedenen Drüsen gebildet werden, zu den Empfängergeweben. Daneben findet man im Blut aber auch Elemente unserer körpereigenen Abwehr (Immunsystem) und die Komponenten der Blutgerinnung. Um diese vielfältigen Aufgaben übernehmen zu können, besteht Blut aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Zellen, die in einem Prozess, der als Blutbildung bezeichnet wird, aus Stammzellen im Knochenmark entstehen.

Die normale Blutbildung (Hämatopoese)

Die Mehrzahl der Blutzellen oder Blutkörperchen wird im Knochenmark gebildet. Das Knochenmark selbst ist ein schwammartiges Gewebe, das sich in den großen Knochen des Körpers befindet. Im Erwachsenenalter findet die Blutbildung vor allem in den Knochen der Wirbelsäule, Hüfte, Schulter, Rippen, im Brustbein und in den Schädelknochen statt.
Da die Blutkörperchen nur eine begrenzte Lebensdauer haben, müssen ständig neue Blutzellen gebildet werden, immerhin mehrere Milliarden Zellen pro Tag! Bei Gesunden ist die Blutbildung so ausgewogen gesteuert, dass nur die Anzahl von Zellen neu gebildet wird, die tatsächlich ersetzt werden muss. Bei besonderen Anforderungen wie einer Infektion kann der Körper außerdem gezielt reagieren und die Zahl der benötigten Zellen, in diesem Fall die Zellen des Immunsystems, erhöhen.

Ausgangspunkt aller Blutzellen sind sogenannte Stammzellen im Knochenmark. Sie teilen sich und entwickeln sich zu Vorläuferzellen für die zwei Linien der Blutzellen: den myeloischen Zellen und den lymphatischen Zellen. Durch weitere Teilung und Reifung (Differenzierung) entwickeln sich aus diesen Vorläuferzellen über weitere Zwischenstufen die verschiedenen Arten reifer Blutzellen, die aus dem Knochenmark freigesetzt werden und ihre Funktion im Körper übernehmen können.




Blutzellen

Unser Blut setzt sich etwa zur Hälfte aus Blutplasma (Wasser, Eiweiße, andere gelöste Stoffe) und aus Blutzellen (Blutkörperchen) zusammen. Man unterscheidet zwei Reihen von Blutzellen: Zu den sogenannten myeloischen Zellen gehören die roten Blutkörperchen, die Blutplättchen sowie die Zellen der angeborenen Immunabwehr, den Granulozyten und Monozyten. B-Zellen, T-Zellen und natürliche Killerzellen, die gemeinsam als Lymphozyten bezeichnet werden und ebenfalls zu unserem Immunsystem gehören, bilden die Zellen der lymphatischen Reihe.

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)

Die wichtigste Aufgabe der Erythrozyten ist es, Sauerstoff aus der Lunge in die verschiedenen Organe und Gewebe zu transportieren und Kohlendioxid aus den Geweben in die Lunge zu bringen. Für die Bindung des Sauerstoffs an die Blutkörperchen ist der rote Blutfarbstoff, das Hämoglobin, erforderlich. Erythrozyten sind die zahlreichsten Zellen im Blut und werden wie die meisten anderen Blutzellen im Knochenmark gebildet. Wenn zu wenige Erythrozyten vorhanden sind, kommt es zu Blässe, Müdigkeit, Luftnot und anderen Symptomen. Der wichtigste Meßwert für die roten Blutkörperchen ist der Hämoglobinwert im Blut. Bei erniedrigtem Hämoglobinwert spricht man von einer Anämie. Daneben wird bei Analysen auch häufig der Hämokritwert ermittelt, der das Volumen der Erythrozyten am Gesamtvolumen des Blutes erfasst.

Blutplättchen (Thrombozyten)

Die Thrombozyten sind die kleinsten Blutkörperchen und haben ihren Namen aufgrund ihrer Form erhalten. Sie werden im Knochenmark gebildet und sind für die Blutgerinnung, die so genannte Hämostase, verantwortlich. Thrombozyten sorgen dafür, dass bei einer Verletzung die Wände der Blutgefäße abgedichtet werden und sich innerhalb kürzester Zeit an der verletzten Stelle Plättchenpfropfen bilden, die zur Blutstillung führen. Später zerfallen die Plättchen und setzen Substanzen frei, die die Gerinnungsfaktoren des Blutplasmas aktivieren. Wenn zu wenig Thrombozyten vorhanden sind, kann es zu spontanen Blutungen, z.B. kleinen Hautblutungen, oder zu verlängerten Blutungen bei Verletzungen, nach einer Zahnarztbehandlung oder zu verstärkten Regelblutungen bei Frauen kommen.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)

Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten werden zusammen als weiße Blutkörperchen oder Leukozyten bezeichnet und bilden die körpereigene Immunabwehr: Sie spüren unter anderem Krankheitserreger wie Bakterien und Viren auf und machen sie unschädlich. Bei den meisten infektiösen Prozessen, die mit einer akuten Entzündung einhergehen, ist ihre Anzahl deshalb deutlich erhöht. Neben ihrer Funktion bei der Abwehr von Keimen beseitigen sie die Abfallstoffe, die durch den Zerfall von Körperzellen entstehen. Die verschiedenen Leukozyten unterscheiden sich im Hinblick auf ihr Aussehen, ihren Bildungsort und ihre Funktion, können aber nur durch ihr Zusammenwirken für eine optimale Infektionsabwehr sorgen. Bei einem Mangel an weißen Blutkörperchen treten gehäuft Infektionen auf und der Körper ist durch Erreger wie z.B. Schimmelpilze gefährdet, die bei Gesunden keine Erkrankung auslösen würden. Im normalen Blutbild wird die Gesamtzahl der Leukozyten gemessen. Die jeweilige Zahl der Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten wird im sogenannten Differentialblutbild bestimmt.

Granulozyten

Granulozyten finden sich im Blut, im Knochenmark und in den Körperorganen. Sie werden im Knochenmark gebildet und sind die für die Infektionsabwehr wichtigsten Zellen. Man unterscheidet anhand ihrer unterschiedlichen Anfärbeeigenschaften neutrophile Granulozyten, eosinophile Granulozyten und basophile Granulozyten. Als wichtiger Parameter für die Funktion der körpereigenen Abwehr von Krankheitserregern, wird vor allem der Neutrophilenwert gemessen.

Monozyten

Monozyten sind Blutzellen, die ins Gewebe wandern und dort als Makrophagen (sog. Fresszellen) Infektionserreger, abgestorbene Zellen, Fremdkörper u.a. aufnehmen und beseitigen können. Monozyten werden im Knochenmark gebildet.

Lymphozyten

Bei den Lymphozyten unterscheidet man zwischen B-Lymphozyten, T-Lymphozyten und sogenannten "Killerzellen". Lymphozyten werden im Knochenmark gebildet und reifen in den anderen Organen des lymphatischen Systems wie Lymphknoten, Milz und Thymusdrüse zu den funktionstüchtigen Abwehrzellen heran. Anhäufungen von Lymphknoten liegen u.a. im Kieferwinkel, der Achselhöhle, im Leistenbereich und im Unterleib. Die Milz ist ein Organ im linken oberen Bauchraum unterhalb des Rippenbogens und die Thymusdrüse befindet sich hinter dem Brustbein. Lymphozyten finden sich außerdem in der Lymphe. Es handelt sich dabei um eine farblose, wässrige Flüssigkeit in den Lymphgefäßen, die ähnlich wie das System der Blutgefäße ein weitverzweigtes Netzwerk im ganzen Körper bilden. Lymphozyten sind für eine funktionierende Infektionsabwehr erforderlich, da sie Antikörper produzieren und z.T. selbst Infektionserreger und veränderte körpereigene Zellen zerstören können. Sie steuern die Granulozyten und sorgen dafür, dass der Körper sich an Infektionserreger, mit denen er bereits in Kontakt war, "erinnert".

Die Menge der einzelnen Zellarten im Blut wird im sogenannten Blutbild untersucht.

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 25.07.2014, letzte Änderung: 31.03.2015