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Ein Vergleich zwischen Upfront-Transplantation und verschiedenen pre-transplanten zytoreduktiven Behandlungsansätzen bei Patienten mit Hochrisiko-Myelodysplastischem Syndrom und sekundärer akuter myeloischer Leukämie

Zusammenfassung der Redaktion

Originalarbeit
Comparison between Upfront Transplantation and different Pretransplant Cytoreductive Treatment Approaches in Patients with High-Risk Myelodysplastic Syndrome and Secondary Acute Myelogenous Leukemia.
Schroeder T, Wegener N, Lauseker M, Rautenberg C, Nachtkamp K, Schuler E, Kondakci M, Haas R, Germing U, Kobbe G.
Biol Blood Marrow Transplant. 2019 Aug;25(8):1550-1559. doi: 10.1016/j.bbmt.2019.03.011. Epub 2019 Mar 15.
PMID: 30880268

Die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation (allo-HSCT) ist die einzige kurative Behandlung für Patienten mit fortgeschrittenen myelodysplastischen Syndromen (MDS) und sekundären akuten myeloischer Leukämien (sAML). In Ermangelung prospektiver Studien wird die Wirkung der pre-transplanten Zytoreduktion kontrovers diskutiert. Die Therapieergebnisse von 165 Patienten mit MDS mit Blastenvermehrung (n = 126,76%) und sAML (n = 39,24%) wurde retrospektiv mit Bezug auf pre-transplante Strategien analysiert. 67 Patienten (41%) wurden direkt transplantiert (Upfront-Gruppe), während 98 Patienten (59%) eine pre-transplante zytoreduktive Behandlung erhielten (Induktionschemotherapie [CTX], n = 64; Hypomethylierende Therapie [HMAs], n = 34), wobei die CTX-Gruppe eine signifikant höhere vollständige Remissionsrate aufwies (59% versus HMA 18%, P <0,0001). Die geschätzten 5-Jahres-Gesamtüberlebensraten (OS) und das rezidivfreie Überleben (RFS) für die gesamte Gruppe betrugen 54% bzw. 39%. Die 5-Jahres-OS-Raten der Upfront-, CTX- und HMA-Gruppen betrugen 61%, 50% bzw. 45% (P = 0,116), während die RFS-Raten 38%, 41% und 38% (P = 0,926) aufwiesen. Die kumulative Rezidivhäufigkeit (CIR) und Nicht-Rezidiv-Mortalität (NRM) unterschied sich nicht zwischen den Behandlungsgruppen. In der Upfront-Gruppe hatte der pre-transplante Blastenanteil (>10% gegenüber <10%) keine Auswirkung auf OS und RFS. Multivariate Analysen zeigten, dass die Art der pre-transplanten Strategie keinen Einfluss auf OS, RFS, CIR und NRM hatte, wohingegen die Zytogenetik (OS, RFS, CIR), die Konditionierung mit reduzierter Intensität (OS, RFS, CIR) und ein nicht verwandter Spender (RFS, CIR) als negative Prädiktoren identifiziert wurden. Im Vergleich zur Upfront-Gruppe war das 5-Jahres-OS bei Patienten mit CTX-refraktärer Erkrankung (34% gegenüber 64%, P = 0,0346) und bei HMA-Nonrespondern (42% gegenüber 61%, P = 0,073) signifikant niedriger. Für RFS zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Patienten in der Upfront-Gruppe hatten im Vergleich zu vorbehandelten Patienten eine höhere Wahrscheinlichkeit, auf HMAs als Salvage-Therapie eines Rezidivs anzusprechen (vollständige Remission, 58% gegenüber 10%; P = 0,0005) und eine höhere 2-Jahres-OS-Rate nach Rückfall (59% gegenüber 19%, P = 0,0001). Dieses Ergebnis stützt die These, dass eine pre-transplante Therapie die Auswahl resistenter Klone begünstigen könnte. Diese Daten legen nahe, dass eine direkte Transplantation der pre-transplanten Zytoreduktion zumindest nicht unterlegen ist und im Falle eines Rezidivs nach allo-HSCT durch eine Salvage-Therapie mittels HMAs + Donor-Lymphozyten-Infusion ergänzt werden kann.