Beobachtungsstudie zu labilem Plasmaeisen nach alloSZT bei Patienten mit MDS oder AML

Beobachtungsstudie zu labilem Plasmaeisen nach alloSZT bei Patienten mit MDS oder AML

Autor: Uwe Platzbecker, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden

Originalarbeit
Enhanced labile plasma iron and outcome in acute myeloid leukaemia and myelodysplastic syndrome after allogeneic haemopoietic cell transplantation (ALLIVE): a prospective, multicentre, observational trial.
Wermke M, Eckoldt J, Götze KS, Klein SA, Bug G, de Wreede LC, Kramer M, Stölzel F, von Bonin M, Schetelig J, Laniado M, Plodeck V, Hofmann WK, Ehninger G, Bornhäuser M, Wolf D, Theurl I, Platzbecker U
Lancet Haematol. 2018 May;5(5):e201-e210. doi: 10.1016/S2352-3026(18)30036-X.
PMID: 29628397.

Die Eisenüberladung hat einen prognostisch ungünstigen Einfluss auf die Ergebnisse der allogenen Stammzelltransplantation bei MDS und AML Patienten. Dabei konnten zahlreichen Studien belegen, dass sowohl die Höhe des Ferritins bzw. der MRT-basierte gemessenen hepatischen Eisenüberlaung (LIC) einen negativen Einfluss auf die Frühmortalität nach allogener SZT haben.

Die ALLIVE2 Studie innerhalb der Deutschen MDS und Deutschen Kooperativen Transplantationsstudiengruppe untersuchte nun den Stellenwert des LPI (labilen Plasma Eisen) auf die Ergebnisse der allo-SZT bei MDS und AML Patienten. Freies Eisen, in Form des labilen Eisenpools, ist sehr reaktiv. Über die Fenton-Reaktion mit Wasserstoffperoxid, welches oftmals bei oxidativen Stoffwechselreaktionen (z.B. Abbau von Fettsäuren in Peroxisomen) in kleinen Mengen als Abfallprodukt gebildet wird, entstehen ROS. Diese reagieren mit Lipiden, Proteinen oder der DNA und schädigen Zellen und Gewebe. Da Eisen auch für Mikroorganismen (Bakterien und Pilze) ein essentielles Element ist, begünstigt die Anwesenheit von freiem Eisen die Vermehrung pathogener Keime.

Welche Rolle LPI auf das Outcome bzw. die Mortalität oder das Infektionsrisiko von SZT-Patienten hat, wurde bislang jedoch noch nicht prospektiv untersucht und war Gegenstand der ALLIVE2 Studie an 112 MDS und AML Patienten im Rahmen der allo-SZT. Die Höhe der LIC mittels MRT korrelierte signifikant mit dem Auftreten von LPI (ρ=0·116) und der NRM (20% vs. 7%, p=0·039). Serum LPI Spiegel stiegen an während der Konditionierung an und 73% der Patienten hatten am Tag 0 erhöhte LPI Spiegel. Patienten mit einer erhöhten LPI Konzentration im Plasma hatten eine deutlich erhöhte Tag 100 Mortalitätsrate (33% vs. 7%, p=0·00034).

Die Studie ist die erste systematische und prospektive Analyse Ihrer Art zum Stellenwert von LPI im Rahmen der allogenen SZT. Daraus könnten sich neue Möglichkeiten der Intervention mittels Eisenchelation im Rahmen der allo-SZT ergeben.