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Die genomisch-basierte Risikobewertung als Grundlage bei chronischer myeloischer Leukämie

Zusammenfassung der Redaktion

Originalarbeit
Laying the foundation for genomically-based risk assessment in chronic myeloid leukemia.
Branford S, Kim DDH, Apperley JF, Eide CA, Mustjoki S, Ong ST, Nteliopoulos G, Ernst T, Chuah C, Gambacorti-Passerini C, Mauro MJ, Druker BJ, Kim DW, Mahon FX, Cortes J, Radich JP, Hochhaus A, Hughes TP; International CML Foundation Genomics Alliance.
Leukemia. 2019 Aug;33(8):1835-1850. doi: 10.1038/s41375-019-0512-y. Epub 2019 Jun 17. Review.
PMID: 31209280.

Die Behandlung von Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) hat sich aufgrund der Fortschritte in der Arzneimittelentwicklung und Behandlungsstrategien erheblich verbessert. Trotz dieser bedeutenden Fortschritte bleiben Fragen zum Patientenmanagement offen – wie kann ein Behandlungsversagen zum Zeitpunkt der Diagnose verlässlicher prognostiziert werden und wie die optimale Auswahl an Therapien mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) getroffen werden? Das BCR-ABL1-Transkriptniveau scheint keinen prognostischen Einfluss zu haben und kann damit für die Wahl des TKIs nicht wegweisend sein. BCR-ABL1-Mutationen werden bei ca. 50% der TKI-resistenten Patienten nachgewiesen, sind jedoch selten für die Resistenz verantwortlich. Andere Resistenzmechanismen sind weitgehend nicht charakterisiert und es gibt keine anderen Routineverfahren für molekulare Tests zur Evaluierung und weiteren Stratifizierung von TKI-Resistenzen. Fortschritte in der Next-Generation-Sequencing Technologie erlauben die Einbeziehung von Mutationsprofilen in Diagnose, Klassifizierung und Prognose und verbessern damit das Management einer wachsenden Zahl maligner Erkrankungen. Ein weitgehend unerforschter Bereich in der CML-Forschung ist die Frage, ob erweiterte Genomanalysen zu den Zeitpunkten der Erstdiagnose, dem Feststellen einer Resistenz und der Transformation, die Entscheidungen zum Patientenmanagement optimieren können, wie dies bei anderen Krebsarten der Fall war. Ziel dieses Reviews war die Analyse und Auswertung der bisher publizierten Ergebnisse zu krebsassoziierten Mutationen bei CML-Patienten. Es wurden Häufigkeit und Art solcher Varianten bei Erstdiagnose, Zeitpunkt des TKI-Versagens und der Transformation diskutiert, aktuell bestehende Einschränkungen bei der Evaluierung von Mutationen und Empfehlungen zum zukünftigen Reporting werden rekapituliert. Die kollektive Auswertung von Mutationsstudien über mehr als ein Jahrzehnt legt nahe, dass eine begrenzte Zahl krebsassoziierter Gene tatsächlich wiederholt in CML mutiert ist, einige davon relativ häufig. Genomstudien haben das Potenzial, die Voraussetzung für eine verbesserte diagnostische Risikoklassifizierung nach klinischem und genetischem Risiko zu schaffen und eine genauere Früherkennung von TKI-Resistenzen zu ermöglichen.


Abbildung 1: Mögliches Zukunftsmodell für eine verbesserte Risikoklassifizierung durch Einbeziehung genomischer Faktoren