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Chromosomenanomalien und Prognose bei NPM1-mutierter akuter myeloischer Leukämie: Eine gepoolte Analyse einzelner Patientendaten aus neun internationalen Kohorten.

Zusammenfassung der Redaktion

Originalarbeit
Chromosomal Abnormalities and Prognosis in NPM1-Mutated Acute Myeloid Leukemia: A Pooled Analysis of Individual Patient Data From Nine International Cohorts.
Angenendt L, Röllig C, Montesinos P, Martínez-Cuadrón D, Barragan E, García R, Botella C, Martínez P, Ravandi F, Kadia T, Kantarjian HM, Cortes J, Juliusson G, Lazarevic V, Höglund M, Lehmann S, Recher C, Pigneux A, Bertoli S, Dumas PY, Dombret H, Preudhomme C, Micol JB, Terré C, Ráčil Z, Novák J, Žák P, Wei AH, Tiong IS, Wall M, Estey E, Shaw C, Exeler R, Wagenführ L, Stölzel F, Thiede C, Stelljes M, Lenz G, Mikesch JH, Serve H, Ehninger G, Berdel WE, Kramer M, Krug U, Schliemann C.
J Clin Oncol. 2019 Oct 10;37(29):2632-2642. doi: 10.1200/JCO.19.00416. Epub 2019 Aug 20.
PMID: 31430225.

Nucleophosmin 1 (NPM1) -Mutationen sind bei akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer günstigen Prognose assoziiert, wenn eine interne Tandemduplikation (ITD) im fms-verwandten Tyrosinkinase 3-Gen (FLT3) fehlt (FLT3-ITDneg) oder aber mit geringem Allelverhältnis (FLT3-ITDlow) vorliegt. Die europäischen LeukemiaNet-Richtlinien von 2017 gehen davon aus, dass dies ungeachtet begleitender zytogenetischer Anomalien der Fall ist. Wir haben die Gültigkeit dieser Annahme untersucht.

Wir analysierten den Zusammenhang zwischen Karyotyp und Outcome bei intensiv behandelten Patienten mit NPM1mut/ FLT3-ITDneg/low AML, die prospektiv in Registrierungsdatenbanken von neun internationalen Studiengruppen oder Behandlungszentren eingeschlossen worden waren.

Unter 2.426 Patienten mit NPM1mut/FLT3-ITDneg/low AML hatten 2.000 (82,4%) einen normalen und 426 (17,6%) einen abnormalen Karyotyp, darunter 329 Patienten (13,6%) mit mittlerem und 83 Patienten (3,4%) mit ungünstigem-Risiko-Chromosomenanomalien. Bei Patienten mit NPM1mut/FLT3-ITDneg/low AML war eine ungünstige Zytogenetik mit niedrigeren vollständigen Remissionsraten assoziiert (87,7%, 86,0% und 66,3% für normalen, aberranten intermediären bzw. ungünstigen Karyotyp; P <0,001), schlechterer 5-Jahres-Überlebensrate (52,4%, 44,8%, 19,5%; P <0,001) und niedrigerem ereignisfreiem Überleben (40,6%, 36,0%, 18,1%; P <0,001) und einer höheren 5-Jahres-Rezidivrate (43,6%, 44,2% bzw. 51,9%; P = 0,0012). Bei Patienten mit Chromosomenaberrationen mit ungünstigem Risiko fanden wir keinen signifikanten Einfluss des NPM1-Mutationsstatus auf das Outcome.

Karyotyp-Anomalien sind signifikant mit dem Outcome bei NPM1mut/FLT3-ITDneg/low AML assoziiert. Bei Vorliegen einer Zytogenetik mit ungünstigem Risiko, haben Patienten mit NPM1mut dieselbe ungünstige Prognose wie Patienten mit NPM1-Wildtyp und sollten entsprechend klassifiziert und behandelt werden. Somit überwiegt das zytogenetische Risiko gegenüber dem molekularen Risiko bei NPM1mut/FLT3-ITDneg/low AML.

Abbildung 1: Zytogenetische Anomalien und Überleben bei Patienten mit NPM1mut/FLT3-ITDneg/low akuter myeloischer Leukämie aus neun internationalen Kohorten. (A) Gesamtüberleben, (B) ereignisfreies Überleben und (C) kumulative Rezidivhäufigkeit nach zytogenetischem Risiko. NPM1wt/FLT3-ITDneg/low Patienten mit ungünstiger Zytogenetik aus denselben Kohorten dienten als Vergleichsarm. AK: nachteiliger Karyotyp; CR1: erste vollständige Remission; HR: Hazard Ratio; IK: intermediärer abnormaler Karyotyp; NK: normaler Karyotyp; wt: Wildtyp.