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Die UBTF::ATXN7L3 - Genfusion definiert einen neuen molekularen Subtyp der B Vorläufer ALL mit CDX2-Expression und intensiviertem Therapiebedarf

Autor: Lorenz Bastian, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Originalarbeit
Bastian L, Hartmann AM, Beder T, Hänzelmann S, Kässens J, Bultmann M, Hoeppner MP, Franzenburg S, Wittig M, Franke A, Nagel I, Spielmann M, Reimer N, Busch H, Schwartz S, Steffen B, Viardot A, Döhner K, Kondakci M, Wulf G, Wendelin K, Renzelmann A, Kiani A, Trautmann H, Neumann M, Gökbuget N, Brüggemann M, Baldus CD.
Leukemia. 2022 Apr 9. doi: 10.1038/s41375-022-01557-6. PMID: 35397658

Bis zu 15 % der Patienten mit akuter lymphoblastischer Leukämie der B-Zell-Vorläufer (BCP-ALL) lassen sich nicht den etablierten Subtypen zuordnen. Dieser Umstand deutet auf das Vorhandensein bisher unerkannter Erkrankungstreiber hin, insbesondere bei erwachsenen Patienten. So sind es genomische Aberrationen - in den meisten Fällen Genfusionen - die solche molekularen Subtypen definieren.

An 568 erwachsenen BCP-ALL-Patienten, die prospektiv nach den pädiatrischen Protokollen der GMALL-Studiengruppe behandelt wurden, wurden Transkriptom-Sequenzierungen (RNA-Seq) durchgeführt. Dazu gehörten die Risikostratifizierung auf der Grundlage der minimalen Resterkrankung (MRD) und die Intensivierung der Behandlung für Hochrisikopatienten.

Im Ergebnis identifizieren die Daten die UBTF::ATXN7L3 Genfusion als neuartige subgruppendefinierende Treiberalteration für den neu beschriebenen Subtyp der CDX2 hoch exprimierenden ALL. Patienten mit diesem ALL Subtyp zeigen im Kohorten-Vergleich ein besonders schlechtes Ansprechen auf die Induktions- und erste Konsolidierungstherapie (zytologisches Nichtansprechen, persistierende MRD) als Ausdrucke einer verminderten Chemosensitivität dieser Erkrankung. Erfreulicherweise zeigten Patienten mit rezidivierter oder refraktärer UBTF::ATXN7L3 ALL in dieser ersten Kohorte ein gutes Ansprechen auf MRD-basierte Behandlungsintensivierung mit Salvage-Immuntherapien und allogener Stammzelltransplantation. Damit verbindet sich die Perspektive auf eine vielversprechende Strategie zur Addressierung dieses Hochrisiko-Phänotyps.

Neben der UBTF::ATXN7L3 getriebenen ALL sind inzwischen 25 weitere molekulare ALL Subtypen als separate diagnostische Entitäten definiert worden (WHO HAEM-5, International Consensus Classification). Zu sicheren Erfassung dieser Subtypen und ihrer zugrundeliegenden Treiber bieten wir am Hämatologielabor Kiel die Durchführung von Transkriptom-Sequenzierungen (RNA-Seq) an.

Erstellt von: Wolkenfeld (Informationszentrum) am 26.03.2018, letzte Änderung: 21.09.2022