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Aktuelle Änderungen zur Onkopedia Leitlinie:
Akute Lymphatische Leukämie (ALL)

Autoren: Wiba Keke Wermann, Nicola Gökbuget, Universitätsklinikum Frankfurt am Main

Zur akuten lymphatischen Leukämie ist im Februar 2018 eine aktualisierte Leitlinie veröffentlicht worden.

Neben allgemeinen Informationen zum aktuellen Wissensstand bezüglich der Erkrankung und der derzeitigen Diagnostikmethoden findet auch die 2017 veröffentlichte neue WHO-Klassifikation der ALL Berücksichtigung, wobei die nach EGIL orientierte Unterscheidung der immunologischen Subtypen, die in den GMALL-Studien auch verwendet wird, für die klinische Praxis wegweisend bleibt. Bezüglich der prognostischen Faktoren gewinnen möglicherweise die genetischen Aberrationen zunehmend an Bedeutung, nicht nur bei der Klassifikation, sondern ebenso als mögliche Therapietargets.

Wie am Beispiel der diskutierten Gruppe der „Ph-like“ oder „BCR-ABL-like“-ALL jedoch deutlich wird, ist die genaue prognostische Bedeutung noch nicht vollends geklärt und eine prospektive, standardisierte Identifikation in der klinischen Routine bisher nicht möglich. Die durch die jüngsten Publikationen bestätigte immense Bedeutung der minimalen Resterkrankung (MRD) führt gleichfalls zu einer stärkeren Berücksichtigung des individuellen Krankheitsverlaufs und ermöglicht eine individuelle Anpassung der Therapie. Voraussetzung ist die initiale Etablierung molekularer Marker am Primärmaterial sowie die konsequente MRD-Kontrolle.

Die Anpassung des Therapieregimes an den individuellen Krankheitsverlauf ist das Prinzip sowohl der kürzlich aktualisierten, 2017 veröffentlichten Therapieempfehlungen für Patienten zwischen 18-55 Jahre sowie für Patienten im Alter von 56-75 Jahren, sowie insbesondere bei der derzeit rekrutierenden GMALL 08/2013-Studie. Neueste Empfehlungen, zu denen in der neuen Onkopedia-Leitlinie weiterführende Informationen zu finden sind, beziehen sich auf den Einsatz und möglichen Wechsel der Tyrosinkinase-Inhibitoren bei der Ph/BCR-ABL-positiven ALL bei jüngeren und älteren Patienten sowie in unterschiedlichen Situationen (bei Therapieversagen/nach Transplantation/bei Rezidiv).

Eine Überarbeitung der Leitlinie war auch erforderlich, weil randomisierte Studien bei der rezidivierten/refraktären ALL eine Überlegenheit neuer Antikörper (Inotuzumab Ozogamicin) und Immuntherapien (Blinatumomab) im Vergleich zur Standardchemotherapie gezeigt haben. Die publizierten Studien und Hinweise zum praktischen Umgang wurden in die Leitlinie aufgenommen. Während die reifzellige B-ALL aufgrund ihrer Biologie weiterhin nach einem anderen Therapieregime behandelt wird als die B-Vorläufer- und T-Zell-ALL, ist die Therapie der lymphoblastischen Lymphome (B-LBL und T-LBL) nun in die aktuellen Protokolle und Empfehlungen für die ALL integriert.

Referenz:

Nicola Gökbuget, Claudia Baldus, Monika Brüggemann, Alexander W. Hauswirth, Urs Schanz:
Akute Lymphatische Leukämie (ALL), Stand Februar 2018, www.onkopedia.com

Erstellt von: Wolkenfeld (Informationszentrum) am 26.03.2018, letzte Änderung: 29.03.2018