Molekulare Marker

Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist eine Erkrankung der Stammzellen des Knochenmarks. Bei 90-95 % der CML-Patienten kann das charakteristische aberrante Philadelphia-Chromosom nachgewiesen werden, das durch reziproke Translokation zwischen den langen Armen der Chromosomen 9 und 22 entsteht (t(9;22)(q34;q11)). Auf molekularer Ebene führt das Rearrangement zur Fusion der Gene ABL1 (Abelson) und BCR (break point cluster region) mit Bildung der konstitutiv aktiven Tyrosinkinase BCR-ABL als pathogenes Produkt der Umlagerung auf Chromosom 22.

CML ist laut WHO-Klassifikation durch das Vorhandensein des Philadelphia-Chromosoms bzw. BCR-ABL1-Rearrangements gekennzeichnet. 5-10 % der CML-Patienten in chronischer Phase weisen variante Philadelphia-Translokationen, an denen außer Chromosom 9 und 22 ein oder mehrere weitere Chromsomen beteiligt sein können, oder einen unauffälligen Karyotyp auf. Manche dieser Aberrationen sind zytogentisch nicht sichtbar. Mit Hilfe der Fluoreszenz in situ-Hybridisierung (FISH) oder RT-PCR kann dennoch das BCR-ABL1-Gen nachgewiesen werden. In diesen Fällen spricht man von Philadelphia-negativer, BCR-ABL1-positiver CML.

Zusätzliche Chromosomenaberrationen

Zum Zeitpunkt der Diagnose werden bei mindestens 10 % der CML-Patienten in chronischer Phase zusätzlich Chromosomenveränderungen gefunden, die in der Regel eine Progression in die akzelerierte Phase oder Blastenkrise ankündigen. Mit Fortschreiten der Erkrankung steigt der Anteil der Fälle mit Zusatzaberrationen auf etwa 80 %. Häufig auftretende Veränderungen werden als major route Aberration bezeichnet und sind mit einer schlechten Prognose und höheren Progressionsrate verbunden [1].

Major route Aberrationen

Minor route Aberrationen

Trisomie 8
Isochromosom 17q [i(17)(q10)]
Trisomie 19
+der(22)t()9;22)(q34;q11)

alle anderen zusätzlichen Aberrationen

Referenzen und Quellen

  1. Fabarius A, Leitner A, Hochhaus A, Müller MC, Hanfstein B, Haferlach C, Göhring G, Schlegelberger B, Jotterand M, Reiter A, Jung-Munkwitz S, Proetel U,Schwaab J, Hofmann WK, Schubert J, Einsele H, Ho AD, Falge C, Kanz L, Neubauer A, Kneba M, Stegelmann F, Pfreundschuh M, Waller CF, Spiekermann K,Baerlocher GM, Lauseker M, Pfirrmann M, Hasford J, Saussele S, Hehlmann R. Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK) and the German CML Study Group. Impact of additional cytogenetic aberrations at diagnosis on prognosis of CML: long-term observation of 1151 patients from the randomized CML Study IV. Blood. 2011;118(26):6760-8. PMID: 22039253. doi: 10.1182/blood-2011-08-373902.

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 26.09.2014, letzte Änderung: 10.03.2015