Genetische Marker

Die akuten myeloischen Leukämien (AML) stellen eine heterogene Gruppe von Erkrankungen dar, innerhalb derer biologisch und prognostisch unterschiedliche Subgruppen unterschieden werden können. Der Karyotyp stellt dabei einen der wichtigsten unabhängigen Prognosefaktoren dar.

Karyotyp

Der Karyotyp der leukämischen Blasten stellt den wichtigsten unabhängigen prognostischen Parameter sowohl in bezug auf das Ansprechen auf Therapie als auch auf das Überleben dar. Etwa 40-45 % der AML-Fälle weisen einen normalen Karyotyp auf. Balancierte oder unbalancierte Chromosomenveränderungen können bei über 50 % der erwachsenen Patienten nachgewiesen werden. Mit Hilfe der Zytogenetik konnten bisher mehr als 50 wiederkehrende Chromosomaberrationen beschrieben werden, die basierend auf den Kriterien des Medical Research Council (MRC) in drei prognostische Gruppen eingeteilt werden können [1] (Häufigkeit [2]).

Prognose

Chromosomaberration

Fusionsgen

Häufigkeit

Günstig

t(15;17)(q22;q21)

PML-RARA

5-10 %

 

t(8;21)(q22;q22)

RUNX1-RUNX1T1

10-15 %

 

inv(16)(p13q22)/t(16;16)(p13;q22)

CBFB-MYH11

3-8 %

Intermediär

Entitäten, die weder günstig noch ungünstig sind

   

Ungünstig

abn(3q) [ausgeschlossen t(3;5)(q21∼25;q31∼35)]

   
 

inv(3)(q21q26)/t(3;3)(q21;q26),

   
 

add(5q), del(5q), −5

   
 

−7, add(7q)/del(7q)

   
 

t(6;11)(q27;q23)

MLL-MLLT4

5-9 % (MLL Fusion insg.)

 

t(10;11)(p11∼13;q23)

MLL-MLLT10

 
 

t(11q23) [ausgeschlossen t(9;11)(p21∼22;q23) and t(11;19)(q23;p13)]

   
 

t(9;22)(q34;q11)

BCR-ABL

 
 

−17/abn(17p)

   
 

Komplex (≥ 4 nicht verwandte zytogenetische Veränderungen)

   

Genmutationen

Neben dem Karyotyp spielen auch molekulare Aberrationen eine wichtige Rolle in der Diagnostik und Prognose der AML. Im Folgenden sind die häufigsten Mutationen aufgeführt (Häufigkeit, Prognose [2]).

Mutation

Häufigkeit

Prognose

NPM1

25-35 %

günstig

FLT3-ITD

20-28 %

ungünstig

FLT3-TKD

5-10 %

 

NRAS

9-14 %

 

KRAS

5-17 %

 

CEBPA

10-20 %

günstig

MLL-PTD

5-13 %

 

RUNX1

5-13 %

 

IDH1/2

15-21 %

günstig (IDH2)

TET2

8-27 %

ungünstig

TP53

7-12 %

ungünstig

CBL

2-3 %

 

ITD: interne Tandemduplikation; TKD: Tyrosinkinasedomäne; PTD: partielle Tandemduplikation.

Referenzen und Quellen

  1. Grimwade D, Hills RK, Moorman AV, Walker H, Chatters S, Goldstone AH, Wheatley K, Harrison CJ, Burnett AK. National Cancer Research Institute AdultLeukaemia Working Group. Refinement of cytogenetic classification in acute myeloid leukemia: determination of prognostic significance of rare recurring chromosomal abnormalities among 5876 younger adult patients treated in the United Kingdom Medical Research Council trials. Blood. 2010;116(3):354-65. PMID: 20385793. doi: 10.1182/blood-2009-11-254441.
  2. Naoe T, Kiyoi H. Gene mutations of acute myeloid leukemia in the genome era. Int J Hematol. 2013;97(2):165-74. PMID: 23359299. doi: 10.1007/s12185-013-1257-4.

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 17.09.2014, letzte Änderung: 05.10.2015