Banner

Ergebnisse - Projekt 7

Erstellt von: Hellenbrecht (Infozentrum Projekt 2) , am: 02.08.2006, letzte Änderung: 18.02.2008

Risikoadaptierte Therapieoptimierung bei CML


25 Jahre CML-Studiengruppe

Autor: R. Hehlmann, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg für Plattform 4, CML (aus Rundbrief Nr. 11/2007)

Vor dem Hintergrund der Empfehlungen eines BMFT-Beratergremiums um Theodor Fliedner, Dieter Hoelzer und Hermann Heimpel zur Förderung klinischer Studien bei neo- plastischen Neubildungen schlug im Frühjahr 1982 der Vorstand der Süddeutschen Hämoblastosegruppe (SHG) vor, die CML-Aktivitäten der Gruppe, die sich bis dahin unter Leitung von Hans Pralle auf die Blastenkrise konzentriert hatten, auf die chronische Phase auszuweiten. Rüdiger Hehlmann, der damals über Virusmarker bei der Blastenkrise arbeitete, sollte sich um Planung und Umsetzung kümmern. Beim SHG-Treffen am 5.11.1982 in München wurde der Beschluss gefasst, dass eine Studiengruppe bestehend aus Pralle, Hehlmann, Heidt, Rott, Köpcke, Messerer und Queißer sich treffen und ein Therapiekonzept für die chronische Phase der CML entwickeln sollte. Die Gruppe traf sich am 4.12.1982 in der Bibliothek der Münchner Poliklinik und schlug auf Vorschlag von Wolfgang Queißer vor, randomisiert die Auswirkung von Hydroxyurea im Vergleich zu Busulfan auf die Dauer d r chronischen Phase und das Überleben zu prüfen. Beim SHG-Treffen am 29.4.1983 in Heidelberg wurde der Entwurf einer prospektiven kontrollierten Studie zum Vergleich von Busulfan und Hydroxyurea in der chronischen Phase der CML von Hehlmann, Pralle, Queißer, Köpcke und Messerer vorgestellt. Nach Diskussion wurde beschlossen, am 1.7.1983 mit einer Pilotphase zu beginnen und gleichzeitig einen Antrag auf Förderung beim BMFT zu stellen. Die Studie begann planmäßig im Juli 1983. Im ersten Jahr wurden etwa 60 Patienten rekrutiert. Die Schweizer Kollegen als tragende SHG-Mitglieder waren von Anfang an dabei. Wegen des bescheidenen Prüfungsziels wurde die Studie damals als die „langweiligste Studie der Nation“ bezeichnet. Mit der Einführung von Interferon alpha in die Therapie der CML änderte sich dies jedoch schlagartig. Der Diskussionsbedarf sprengte bald den Rahmen der SHG-Treffen, so dass seit 1986 eigene Studientreffen erforderlich wurden, zunächst auf der Reisensburg, später auf der Wachenburg. Seither hat die CML Studiengruppe 5 große randomisierte Studien durchgeführt, in die 3672 Patienten rekrutiert wurden (Tab. 1).

Tabelle 1: Prospective Trials conducted by the German CML-Study Group 1983-2007

I Busulfan vs. Hydroxyurea vs. Interferon alpha 1983-1991 n=701
II Hydroxyurea vs. Hydroxyurea + Interferon alpha 1991-1994 n=476
III Allogeneic SCT vs. best available drug treatment 1995-2001 n=682
IIIA Allogeneic SCT vs. best available drug treatment +/- autologous SCT 1997-2001 n=740
I/P Phase I/II Imatinib + Pegasys© 2002-2004 n=72
IV Imatinib vs. Imatinib in combination 2002- n=1001
Total number of patients n=3672

Die bisher abgeschlossenen Studien wurden ausnahmslos in internationalen High-Impact-Journalen publiziert. (siehe Liste der wichtigsten Publi- kationen). Seit 1991 suchte die Gruppe internationale Kontakte, insbesondere nach Italien, wo eine Studiengruppe um Sante Tura und Michele Baccarani ähnliche Studien durchführte, und nach USA, wo um Moshe Talpaz die größte Erfahrung mit Interferon alpha dem damaligen Medikament der ersten Wahl, bestand. Als Resultat dieser Aktivitäten wurde die Deutsche CML-Studiengruppe Mitbegründer einer europäischen CML-Kooperation, den European Investigators on CML (EI-CML), die seit 1992 zusammenarbeitet. Aus dieser Zusammenarbeit resultierten weitere erstrangig publizierte und international beachtete Arbeiten zu Metaanalysen randomisierter Studien mit Interferon apha und mit Hydroxyurea, zur Erarbeitung Erarbeitung eines neuen Prognosescores und zu Langzeitbeobachtungen zytogenet scher IFN-Responder (Publikationsliste). Die internationale Kooperation wurde seit 1992 durch Ausrichtung internationaler CML-Workshops gefördert. In Mannheim findet dieses Jahr mit dem Jubiläumssymposium der 16. Internationale CML-Workshop statt. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 200 Zentren an den Studien der Gruppe, darunter viele Universitätskliniken, größere und kleinere Krankenhäuser und insbesondere in neuerer Zeit viele Facharztpraxen in allen Regionen Deutschlands und der Schweiz, und inzwischen auch einige Zentren in Tschechien, Polen und Österreich (Abb. 1).

Teilnehmende Zentren der CML-Studiengruppe

Abbildung 1

 

Durch die Erarbeitung und Einführung des BCR-ABL-Tyrosinkinase-hemmers Imatinib haben CML-Therapie und Studiengruppe zusätzliche Aktualität gewonnen, da die CML damit die erste neoplastische Erkrankung geworden ist, die mit Hilfe eines rational entwickelten Therapieprinzips kausal behandelt werden kann. In die gegenwärtig laufende CML-Studie IV zum randomisierten Vergleich von Imatinib in Standarddosierung mit Imatinib in Kombination und mit Hochdosis-Imatinib sind dementsprechend bereits mehr als 1000 Patienten rekrutiert worden (Tab.1). Die Deutsche CML-Studiengruppe ist seit 1997 Ausgangspunkt für die erfolgreiche Einwerbung des Kompetenznetzes „Akute und chronische Leukämien“ beim BMBF geworden und seit 2002 für den Gewinn des Network of Excellence „European LeukemiaNet“ bei der EU, in dem in 133 Zentren in 24 Ländern über 1000 Ärzte und Wissenschaftler zusammenarbeiten (Abb. 2).

Pedigree of Clinical CML-Research

Abbildung 2

 

Die Deutsche CML-Studiengruppe hat wesentlich dazu beigetragen, dass den Patienten in Deutschland und in der Schweiz innovative Therapien frühzeitig und wissenschaftlich begleitet zugänglich gemacht worden sind. Die Gruppe hat damit bei der Optimierung der CML-Therapie und bei der Überlebenszeitverlängerung der Patienten mit CML mitgewirkt. Neben offenen medizinischen Problemen, wie der Therapie der Blastenkrise, liegen die gegenwärtigen Herausforderungen vor allem in der neuen Gesetzgebung, die Therapie- optimierungsstudien (gern als „TOPS“ bezeichnet) mit Zulassungsstudien der pharmazeutischen Industrie gleichstellt. Dadurch kommen auf die CML-Studiengruppe (wie auch auf andere Studiengruppen, die TOPS durchführen) unverhältnismäßige Kosten und ein administrativer Aufwand zu, die mit den begrenzten Finanzmitteln von Studiengruppen nicht mehr bewältigt werden können. Es bleibt zu hoffen, dass es gelingt, Mittel und Wege aus diesem Dilemma zu finden, so dass die Deutsche CML-Studiengruppe auch in Zukunft ihren Beitrag zur weiteren Lebensverlängerung und hoffentlich zur Heilung der CML leisten kann.

 

Print this Document   Sitemap   Contact  


 
top