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Förderung von IIT's

Erstellt von: A. Hellenbrecht , letzte Änderung: 25.02.2009

AG Studienzentralen: Studiengruppenübergreifende Kompetenz zur Förderung von Investigator-initiierten Studien (IITs) in Studienzentralen und Prüfzentren

Inhaltsübersicht

  1. Einführung
  2. Unterstützung des Studienmanagements in Studienzentralen
  3. Biomaterial-Asservierung
  4. Safety-Management
  5. Daten-Management
  6. Monitoring-Manual
  7. Monitoring von IITs als Pilotprojekt im KNL
  8. Vielfältige Unterstützungsangebote für Prüfzentren
    1. Regelmäßige Information der Prüfzentren
    2. Fortbildungen zu Guter klinischer Praxis (GCP) für Studienpersonal
    3. Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems
    4. Bedarfsanalysen für Unterstützungsangebote
  9. Geplante Datenbank mit Qualifikationsprofilen von Kliniken und Ärzten für die Teilnahme an klinischen Studien

Autoren: Kristina Ihrig, Nicola Gökbuget, Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt am Main für Teilprojekt 31, aus Rundbrief 02/2009

Einführung

Bei der Formulierung der 12. AMG-Novelle hat der Gesetzgeber versäumt, die besondere Situation wissenschaftsgetriebener Studien bei seltenen Erkrankungen zu berücksichtigen und für deren Durchführungen klare und praktikable Voraussetzungen zu schaffen. In dieser Situation hat sich Dank einer Förderung durch das BMBF/DLR seit dem Jahr 2006 eine neue engagierte Gruppe innerhalb des Kompetenznetzes etabliert. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist die Verbesserung der Infrastruktur für die Initiierung und Durchführung von wissenschaftsgetriebenen Studien (Investigator- Initiated-Trials=IITs).
Die Arbeitsgruppe setzt sich aus ärztlichen Leitern der Studienzentralen der großen Multicenter Studiengruppen und Mitarbeitern der jeweiligen Studienzentralen mit Erfahrung in unterschiedlichen studienbezogenen Fachgebieten zusammen. Schwerpunkte des Arbeitsprogramms der AG sind daher die Analyse der gesetzlichen Anforderungen, die Formulierung von Durchführungsbestimmungen für IITs und der Aufbau einer den Regularien entsprechenden Studienumgebung. Ziel ist es, klinisch tätige Ärzte des Kompetenznetzes bei der erfolgreichen Initiierung und Durchführung von IITs zu unterstützen.
Bisher wurden in regelmäßigen Meetings wichtige Problemfelder wie:

Lösungen erarbeitet. Das Arbeitsprogramm zielte im ersten Förderjahr auf die Unterstützung der großen Studienzentralen, im weiteren Projektverlauf aber auch auf die ca. 500 Studienkliniken und -praxen ab. Darüber hinaus werden neue Kooperationen sowie neue Projekte initiiert, die eine Erleichterung für die Teilnahme von Zentren und die Durchführung der Studien herbeiführen.

Unterstützung des Studienmanagements in Studienzentralen

Der Sponsor ist mit der 12. Novelle im Jahre 2004 dazu verpflichtet, Maßnahmen zu einem SAE-Management und Daten-Management sowie zur Qualitätssicherung von Studien - insbesondere Monitoring - zu ergreifen. Die Anforderungen unterscheiden sich kaum von denen, die an Zulassungsstudien gestellt werden. Es gibt jedoch Interpretationsspielraum, der von den Sponsoren bzw. Leitern der klinischen Prüfung (LKP) von IITs berücksichtigt werden kann, um den Aufwand angemessen zu gestalten. Die AG Studienzentralen hat sich aus diesem Grund mit den drei genannten komplexen Themengebieten und Asservierung von Biomaterial besonders auseinandergesetzt und entsprechende Manuale erarbeitet.

Biomaterial-Asservierung

Die Asservierung von Biomaterial von Patienten im Rahmen von Studien oder auch als separates Projekt unterliegt strengen Regularien insbesondere im Hinblick auf die Patientenaufklärung und den Datenschutz. Im Rahmen eines Projekts der Telematikplattform für medizinische Forschungsnetze (TMF e.V.) hat sich eine Arbeitsgruppe mehrere Jahre mit dieser Thematik befasst. Die AG Studienzentralen war ebenfalls vertreten und hat für das Kompetenznetz Leukämien ein Manual „Biomaterialasservierung“ (Autor: Dr. R. Schlenk) erarbeitet, welches als Grundlage für ein einheitliches und kompetenznetzeigenes System zur Asservierung von Biomaterial im KNL herangezogen werden kann. Es beantwortet die Fragen hinsichtlich der rechtlichen Gestaltung einer Biomaterialbank, der Rechte an Proben und Übertragung dieser Rechte und
klärt technische und strukturelle Anforderungen an Biobanken.

Safety-Management

Über das Safety-Management des Sponsors wird die Sicherheit der Patienten, insbesondere im Blick auf Studiendurchführung und Prüfmedikation, in einer Studie überwacht und den strengen Regularien in diesem Bereich genüge getan. Die regulativen Anforderungen unterscheiden sich nicht von denen, die an Zulassungsstudien gestellt werden. Daraus ergeben sich für IITs mit einer großen Zahl von Zentren und dem Einsatz von überwiegend zugelassenen Medikamenten in Kombinationstherapien erhebliche logistische Probleme. Das Manual „Safety Management“ stellt eine ausführliche Erläuterung zu allen Aspekten des Safety Managements (Definitionen, Interpretationen, Verantwortlichkeiten der Prüfärzte, Sponsoren, etc.) dar. Das 50 Seiten starke Dokument beinhaltet zudem praktische Beispiele und eine ganze Anzahl von Mustervorlagen (Autoren: R. Koy-Redemann, K. Ihrig, N. Gökbuget, M. Hartog ). Diese Thematik wurde für IITs bisher erstmalig so umfassend dargestellt und so werden innovative Lösungsansätze beschrieben.

Daten-Management

Ergänzend zum Safety-Management wird über das Daten-Management ebenfalls die Sicherheit der Patienten, aber auch die Validität der Daten kontrolliert. Das Manual „Daten- Management“ beschreibt die komplexe Sachlage praxisnah und verständlich und erleichtert den Aufbau eines eigenen Daten-Managements (Autoren: R. Reutzel, A. Fischer, V. Lohrbacher, M. Rohrbacher, R. Schlenk ).

Monitoring-Manual

Eine Forderung nach ICH-GCP die den Sponsoren bzw. LKPs indirekt mit der 12. Novelle auferlegt wurde, ist das Einrichten und Durchführen von Maßnahmen zur Qualitätssicherung bzw. Monitoring. Dies ist ein sehr kostenintensiver Bestandteil der Studienorganisation, z. B. aufgrund der anfallenden Reisekosten und des hohen personellen Aufwands für die Vor-Ort-Besuche bei den zahlreichen Studienkliniken. Das AMG und die GCP-Verordnung bietet allerdings Spielraum für die Ausgestaltung des Monitorings und es gibt bereits rationale Ansätze für die Gestaltung eines risikoadaptierten Monitorings, bei dem sich die Intensität (Zahl der Besuche, Umfang der geprüften Daten etc.) an dem Risikoprofil der Studie, GCP-Kriterien zu verletzen, orientiert. Im Rahmen des Projekts wurden nun Grundlagen für Monitoring und standardisierte Verfahrensanweisungen (SOPs) erarbeitet und an den Rationalen für die Reduktion von vor-Ort-Monitoring [4] mitgewirkt. Diese Vorgaben sind ebenfalls in einem Manual zusammengefasst.

Monitoring von IITs als Pilotprojekt im KNL

Im begonnenen letzten Förderjahr werden auf der Basis der o.g. Dokumente studienspezifische adaptierte Monitoring-Strategien in den Studienzentralen entwickelt, wobei besondere Eigenschaften der Studien und Prüfzentren und die Studienpopulation berücksichtigt werden. Mitarbeiter der AG erhielten im Rahmen des Projekts eine speziell konzipierte Fortbildung zum Monitor. Sie werden nun in einem Pilotprojekt eingesetzt, das prüfen soll, ob die Nutzung eines gemeinsamen Pools von Monitoren, die den Studiengruppen zugeordnet und so regional über Deutschland verteilt sind, die künftige Durchführung von IITs erleichtern kann.

Vielfältige Unterstützungsangebote für Prüfzentren

Regelmäßige Information der Prüfzentren

Die AG Studienzentralen nutzt für den Informationsfluss in das Netz die technischen Möglichkeiten des Informationszentrums des Kompetenznetzes. Dadurch werden alle Mitglieder des KNL über die Inhalte und Ergebnisse der Arbeitsgruppe informiert: In die Website des Kompetenznetzes ist dieser Bereich der Arbeitsgruppe integriert und kann von extern über einen eigenen Link erreichbar erreicht werden. Über regelmäßige elektronische Newsletter („News im KNL“) werden Ärzte und Studienassistentinnen informiert, um so von verschiedenen Angeboten profitieren zu können.

Fortbildungen zu Guter klinischer Praxis (GCP) für Studienpersonal

Zwingend für die Teilnahme an klinischen Studien unter AMG ist die Einstellung von qualifiziertem Personal für die Durchführung der Studie. Das Arzneimittelgesetz (AMG) bzw. die GCP-Verordnung (GCP-V) fordert die Kenntnis des Studienprotokolls, aber auch die allgemein geltenden gesetzlichen Bestimmungen und Leitlinien, insbesondere die „Gute klinische Praxis“, und fordert darüber
hinaus regelmäßige Fortbildungen. Fortbildungsnachweise werden mittlerweile von den meisten Ethik-Kommissionen gefordert. Im Rahmen des Projekts wurden Angebote für Prüfärzte erarbeitet, damit diese Kenntnisse nachgewiesen werden können. Sie sind kompakt gehalten und im Hinblick auf Zeit und Kostenersparnis besonders effizient. Darüber hinaus wurden Fortbildungen mit spezifischen Themen der „Guten klinischen Praxis“ abgehalten, die für die Mitglieder des KNL kostenfrei sind. Viele Studienzentralen sind so den dringenden Forderungen nachgekommen und haben Ihre Prüfärzte bei Studientreffen zu diesen Themen fortgebildet. Je nach Bedarf sollen auch im letzten Förderjahr spezielle Angebote erarbeitet werden

Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems

Beispielhaft für die Zusammenarbeit der AG und den Mitgliedern des KNL ist die Bereitstellung von Arbeitsmaterial zum Aufbau eines Qualitätsmanagements für Studienzentren. Dies liefert eine Grundlage für die Zertifizierung von Studienzentren, wie sie z.B. von der DGHO angeboten wird (www.dgho.de/diagnose/studzentr.htm). Mit dieser Unterstützung können die Voraussetzungen für die
Teilnahme an klinischen Studien unter AMG, wie z.B. der Nachweis qualifizierten Studienpersonals und dessen Fortbildungen, geschaffen werden. Mitte des Jahres 2008 wurde im EMail Newsletter der Link für eine Online-Umfrage im Netz verteilt; die Umfrage ermittelte den genauen Bedarf an Unterstützung, um ein eigenes QM-System im Prüfzentrum aufzubauen. Zugleich konnte auch das Interesse an ausgewählten SOPs und anderen hilfreichen Vorlagen angezeigt werden. Den interessierten Teilnehmern der Umfrage wurden 13 vertrauliche Dokumente kostenlos zum Download auf der Website temporär zur Verfügung gestellt. Diese beinhalteten u. a. eine Einleitung zu Qualitätsmanagement (QM), Formatvorlagen für QM-Protokolle, SOPs zur Erstellung und Verwendung von QM-Dokumenten, Formatvorlagen für SOPs und Anlagen sowie SOPs für die Studienaktivierung und Studienorganisation.
Weitere interessierte Kliniken können gerne an diesem Projekt teilnehmen. Es ist geplant regelmäßig in Kontakt mit den teilnehmenden Kliniken zu treten um Rückmeldung über die Umsetzung des QM, offene Fragen etc. zu erhalten und das Angebot weiter bedarfsorientiert auszubauen.

Bedarfsanalysen für Unterstützungsangebote

Den oben beschriebenen Angeboten gingen in der Regel Online-Umfragen voraus, um den Bedarf innerhalb des Netzes festzustellen und entsprechende Angebote zu entwickeln. Das Verfahren ist mittlerweile als wichtiger Bestandteil im KNL etabliert und liefert besondere Erkenntnisse über die Situationen vor Ort – in den Prüfzentren des KNL. Aufgrund bestehender Kooperationen mit dem KML (Kompetenznetz maligne Lymphome), einem Vertreter niedergelassener Hämatologen und Onkologen (Arbeitskreis Arzneimittelgesetz; AK AMG der DGHO) und der DGHO (Deutsche Gesellschaft Hämatologie und Onkologie e.V.) wurde für die Analyse der Rahmenbedingungen von IITs kürzlich eine Umfrage konzipiert, die sich an die gesamten hämatologischen und onkologischen Entscheidungsträger deutschlandweit richtet. Aufgrund der gemachten Angaben soll die bisherige, aber auch die künftige Beteiligung an IITs charakterisiert, die Studieninitiierung erleichtert und die Studiendurchführung weiter akzentuiert unterstützt werden.

Geplante Datenbank mit Qualifikationsprofilen von Kliniken und Ärzten für die Teilnahme an klinischen Studien

Neben dieser netzübergreifenden Analyse der Rahmenbedingungen wurden bereits zu früheren Zeitpunkten verschiedene andere Projekte in Zusammenarbeit mit anderen Kompetenznetzen und Verbünden durchgeführt. Aus der Arbeitsgruppe AG Studienzentralen hervorgehend wurde eine gemeinsame Eingabe an den Arbeitskreis medizinischer Ethik-Kommissionen gerichtet, um auf die besondere Bedeutung der IITs, die erschwerte Situation für deren Initiierung/Durchführung und die Zielvorgaben der hämatologischen/ onkologischen Netze und Verbünde hinzuweisen (Dezember 2007). Dieser begonnene Dialog mit den Ethik-Kommissionen wurde weiter fortgeführt und der Vorsitzende des Arbeitskreises medizinischer Ethik- Kommissionen konnte für einen gemeinsamen Projektantrag gewonnen werden. Federführend durch die Projektzentrale wurde kürzlich ein Antrag an das BMBF zur Förderung einer Dokumenten-Datenbank (QualiPRO) entwickelt, mit deren Hilfe verwaltungstechnische Tätigkeiten der Ärzte reduziert und so Zeit und Kosten für ärztliche Tätigkeiten eingespart werden sollen. Zusätzlich werden auch Studienzentralen und Ethik-Kommissionen die Datenbank zu ihrer Entlastung nutzen können. Der Antrag sieht in einem Vorprojekt die Feststellung der Anforderungen an diese Datenbank vor, zielt aber ganz konkret auf die Umsetzung dieser Datenbank in einem Folgeprojekt hin.

Ständige Mitarbeiter der AG Studienzentralen:

AMLCG

Utz Krug, Birgit Mayerhoffer

AMLSG

Richard Schlenk

CML

Petra Schrotz-King, Cornelia Willersinn

GMALL

Nicola Gökbuget (Projektleitung)
Kristina Ihrig (Projektkoordination), Regina Koy-Redemann, Regina Reutzel

MDS

Aristoteles Giagounidis,
Vera Lohrbacher

OSHO-AML

Sandra Otto

SAL

Markus Schaich,
Silke Soucek

Für Rückfragen wenden sie sich bitte jederzeit an die Projektzentrale: Dr. N. Gökbuget, K. Ihrig (Dipl.-Biol.); Telefon 069-6301-83591 oder E-Mail: goekbuget@em.uni-frankfurt.de bzw. Ihrig@med.uni-frankfurt.de

Printing Date: 22.05.2012   ©  2006-8 ELIC European Leukemia Information Center