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Erstellt von: Infozentrum (Projekt 2) , am: 08.08.2006, letzte Änderung: 21.02.2008
Aktuelle Therapiestudien zur Behandlung von akuten und chronischen Leukämien
Autor: Informationszentrum im Kompetenznetz, Stand: 2004
Wie bei den anderen Leukämien richtet sich bei der CML die Therapie und die Zuordnung zu Studien nach der Erkrankungsphase. Für Patienten in chronischer Phase wird derzeit im Rahmen einer Studie die Gabe eines niedrig dosierten Zytostatikums (Cytarabin) in Kombination mit a-Interferon mit allogener bzw. autologer Stammzelltransplantation verglichen.
Das neue Medikament STI571 (Handelsname: Glivec ®) hat in der Therapie der CML zu bedeutsamen Fortschritten geführt. STI571 hemmt Leukämiezellen, die eine spezielle Veränderung des Erbmaterials (Chromosomen) aufweisen. Es handelt sich dabei um das Philadelphia-Chromosom (bei molekularem Nachweis als BCR-ABL bezeichnet), das bei mehr als 90% der CML-Patienten und 20-30% der ALL-Patienten vorhanden ist. Bei diesen Leukämien weist ein zelluläres Protein, die ABL-Tyrosinkinase, eine erhöhte Aktivität auf, die als Mechanismus für die Leukämieentstehung und ihr Fortschreiten angesehen wird. STI hemmt die ABL-Tyrosinkinase. Da es damit direkt auf die krankheitsauslösende Genveränderung wirkt, spricht man von einer molekularen bzw. kausalen Therapie.
Da STI571 ein vielversprechender neuer Therapieansatz für die CML ist, wurden mehrere neue Studien begonnen oder befinden sich in Planung. Seit Sommer 2002 ist eine neue Studie für Patienten mit CML in chronischer Phase aktiviert worden (CMLIV-Studie). Dabei wird die Wirksamkeit von vier Therapiemöglichkeiten geprüft werden: STI571 als Einzelmedikament, in Kombination mit a-Interferon oder Cytarabin sowie a-Interferon als Einzelsubstanz (bisherige Standard-Behandlung).
Bei Patienten mit myeloischer Blastenkrise wird eine Studie mit einer Kombination von Zytostatika-Behandlung und STI571 durchgeführt.
Bei Patienten, die eine Stammzelltransplantation erhalten haben und bei denen mit sehr genauen Nachweismethoden (Molekulargenetik) noch Leukämiezellen nachweisbar ist, wird STI571 eingesetzt, um die Resterkrankung zu beseitigen.
Für Patienten mit neu diagnostizierter AML sind in Deutschland derzeit fünf Studien aktiv. Im allgemeinen entscheiden sich einzelne Kliniken, an der einen oder anderen Studie fest teilzunehmen und allen ihren Patienten die Teilnahme anzubieten. Wichtige Fragen, die in den Studien beantwortet werden sollen, sind die notwendige Intensität der Zytostatika-Behandlung, die Wirksamkeit der Stammzelltransplantation sowie die Frage ob die Behandlung an Faktoren angepasst werden soll, die eine Aussage über das Rückfallrisiko erlauben. Es gibt momentan keine Daten, die darauf schließen lassen, welche der Studien bessere Gesamtergebnisse (Überlebensrate) erreichen wird. Um die Studienergebnisse besser vergleichen zu können, arbeiten nunmehr alle AML-Studiengruppen eng zusammen. In künftigen wissenschaftlichen Auswertungen dieser sog. AML-Intergroup-Studie sollen die Ergebnisse der laufenden Therapiestudien bei AML im Detail miteinander verglichen werden. Auch für ältere Patienten mit AML wird eine Reihe von Studien durchgeführt, in denen die verminderte Verträglichkeit der Chemotherapie bei älteren Patienten berücksichtigt wird.
Bei einem Rückfall der AML sind derzeit zwei Therapiestudien aktiv. In beiden Studien wird das Zellgift (Zytostatikum) Cytarabin in hoher Dosis eingesetzt und mit anderen neuen Zytostatika (Fludarabin bzw. Topotecan) kombiniert (AMLCG; SHG-AML). Die Therapie mit dem Antikörper antiCD33 (Mylotarg), die sich gegen spezielle Oberflächenmerkmale auf den Leukämiezellen richtet, wurde in der DLH-Info 16 beschrieben. In Deutschland werden keine Studien mit Mylotarg durchgeführt.
Eine Reihe weiterer Studien für AML nach Rückfall befindet sich in Vorbereitung oder wurde bereits aktiviert. Hier sollen sehr spezifische neue Medikamente eingesetzt werden, die sich gegen krankheitsverursachende Mechanismen richten.
Histondeacetylasen sind Proteine der Zelle, die an der Krankheitsentwicklung bei Leukämien beteiligt sind. Eine Studie mit dem Hemmstoff LAQ824 wurde bereits begonnen. In die Gruppe dieser Medikamente gehört auch die Valproinsäure, die in jüngster Zeit als neues Krebsmedikament in der Presse diskutiert wurde. Bei Leukämien gibt es bisher wenig Erfahrungen; die Durchführung von Studien wird jedoch erwogen.
Eine weitere Studie mit dem Farnesyltransferase-Hemmer Zarnestra™ (R115777) ist für Patienten entwickelt worden, die 60 Jahre oder älter sind.
Bei der ALL werden zwei Studien für Patienten über und unter 65 Jahre durchgeführt. Weitere Studien befassen sich mit verwandten Erkrankungen wie den T-lymphoblastischen Lymphomen, der B-ALL und Burkitt-Lymphomen. In jüngster Zeit wurden einige neue Studien mit STI571 initiiert, das auch bei ALL mit Philadelphia-Chromosom (s.o.) wirksam ist. Eine Studie befasst sich mit der Behandlung neu diagnostizierter Patienten mit dieser Erkrankung. Nach anfänglicher Chemotherapie sollen dabei alle Patienten STI571, Chemotherapie und eine Stammzelltransplantation erhalten. Auch nach Stammzelltransplantation wird STI571 eingesetzt, wenn noch Erkrankung nachweisbar ist. Eine zweite Studie schließt speziell Patienten in höherem Lebensalter (>65 Jahre) ein. Weitere Studien sind derzeit in Vorbereitung. Dabei ist geplant, STI571 bei Patienten mit Rückfall einer Philadelphia-positiven ALL in Kombination mit a-Interferon oder mit Chemotherapie einzusetzen. Außerdem soll in Kürze auch ein neues molekulares Medikament (Farnesyltransferase-Inhibitor) in einer Studie geprüft werden.
Auch für Patienten mit Rückfall einer ALL, die nicht Philadelphia-positiv ist, steht eine Reihe neuer Medikamente zur Verfügung, die ebenfalls zum Teil im Rahmen von Studien geprüft werden sollen. Dabei handelt es sich um Antikörper gegen Oberflächenmerkmale der Leukämiezellen (z.B. Rituximab, Campath) sowie um neue Zytostatika wie Cladribine, Compound 506U78 (besonders wirksam bei T-ALL) und Clofarabine.
Bei MDS erfolgt die Entscheidung für eine Therapie im Einzelfall aufgrund des Alters, des Allgemeinzustands und besonderer Erkrankungsmerkmale. Patienten, bei denen auch Leukämiezellen vorhanden sind, benötigen eine intensivere Therapie und werden bei gutem Allgemeinzustand meist im Rahmen von Studien für die AML behandelt. Für die verbleibenden Patienten stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Für Patienten mit einer speziellen Chromosomenveränderung (5q- -Syndrom) wird eine Studie mit dem Medikament all-trans-Retinsäure durchgeführt. In zwei weiteren Studien wird eine rein unterstützende Therapie mit einem speziellen Behandlungsverfahren verglichen. Die Entscheidung darüber, welche Therapie ein Patient erhält, erfolgt nach dem Zufallsprinzip (Randomisation). Dabei wird in einer Studie eine Immuntherapie mit einem Medikament untersucht, das sich gegen Thymozyten richtet (ATG). Dies sind körpereigene Zellen, die bei der Krankheitsentwicklung eine Rolle spielen können. In einer weiteren Studie erfolgt bei über 60jährigen Patienten der Vergleich einer unterstützenden Therapie mit einer niedrig-dosierten zytostatischen Therapie (Decitabine). Bei MDS-Patienten im Alter über 50 Jahren bzw. über 65 Jahren werden außerdem Studien mit dem Medikament Thalidomid durchgeführt, da man festgestellt hat, daß bei MDS eine vermehrte Bildung von Blutgefäßen im Knochenmark auftritt, die durch Thalidomid gehemmt werden kann.
Im Bereich der Stammzelltransplantation wird ebenfalls eine Reihe von Studien mit neuen Modalitäten durchgeführt. Es handelt sich dabei z.B. um sog. "Mini-Transplantationen", bei denen eine im Vergleich zu Standardtransplantationen niedriger dosierte Chemotherapie zur Vorbereitung auf die Transplantation (Konditionierung) eingesetzt wird. Dies erlaubt die Durchführung von Transplantationen auch bei älteren Patienten. Weitere Studien befassen sich mit intensivierter Konditionierung vor Stammzelltransplantation, bei denen z.B. an radioaktive Substanzen gebundene Antikörper eingesetzt werden (Radioimmunkonjugate).
Untersucht wird auch die Wirksamkeit von Lymphozyten-Infusionen nach Transplantation, wobei z.B. Lymphozyten des Knochenmarksspenders eingesetzt werden. Alle Informationen über laufende Therapiestudien bei Leukämien finden sich unter der Rubrik "Ärzte > Studien > laufende Therapiestudien".
Das angebotene Informationsmaterial umfaßt zum Teil auch die Patientenaufklärung der einzelnen Studien, so daß sich Patienten über Ziele und Ablauf der Studien informieren können.
Printing Date: 22.05.2012 © 2006-8 ELIC European Leukemia Information Center