
Erstellt von: Infozentrum (Projekt 2) , am: 09.08.2006, letzte Änderung: 21.02.2008
Allgemeine Informationen zur Definition von alternativen und komplementären Therapien
Autor: Informationszentrum im Kompetenznetz, Stand: 2004
Der Begriff "Komplementärmedizin" wird oft irreführenderweise für alle therapeutischen und diagnostischen Methoden verwendet, die sich ausserhalb der klassischen Schulmedizin bewegen. Traditionell gehören zu den Hauptvertretern der Komplementärmedizin neben der Pflanzenmedizin (Phytotherapie), die Homöopathie, die anthroposophische und traditionelle chinesische Medizin (TCM) sowie die Neuraltherapie. Die Komplementärmedizin versteht sich nicht als Alternative zur Schulmedizin, sondern vielmehr als deren Ergänzung (lat.: complementum=Ergänzung). Viele komplementärmedizinische Verfahren (z.B. TCM, Phytotherapie, Homöopathie) werden auch von Schulmedizinern anerkannt und eingesetzt.
Neben der Komplementärmedizin gibt es hunderte von Therapien und Methoden, die sich selbst als "ganzheitlich" , "unkonventionell" oder "biologisch" beschreiben. Diese Einteilung ist oft willkürlich, uneinheitlich und die dahinter stehenden Therapien im schlimmsten Falle unseriös. Beispiele für solche Diagnose- oder Therapieverfahren sind u.a. Irisdiagnostik, bioelektronische Diagnostik, verschiedene spirituelle/esotherische Methoden, Sauerstoff-, Ozon-, oder Enzymtherapien, spezielle Krebs-Diäten usw. der Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.
Gemeinsam ist diesen Methoden allerdings, dass ihre Wirksamkeit - anders als in der klassischen Schulmedizin - bisher nicht durch wissenschaftlich fundierte Studien belegt worden ist.
Es besteht kein Zweifel darüber, dass die Heilungsschancen für Krebs-Patienten in den letzten Jahren - gerade bei den akuten Leukämien - enorm verbessert werden konnten. Grundlage dafür war eine intensive Forschungsarbeit, die zur Entwicklung neuer zielgerichteter Therapien geführt hat. Jeder dieser Therapieansätze wurde in kontrollierten Studien untersucht. Neue Medikamente mussten ein strenges Zulassungsverfahren durchlaufen, in dem Verträglichkeit und Wirksamkeit geprüft wurden, bevor sie bei Patienten Anwendung fanden.
Solche Sicherheiten werden für Therapien ausserhalb der Schulmedizin nicht gefordert.
Sicher ist, dass weder komplementärmedizinische noch alternative Heilmethoden eine realistische Chance bieten, Krebserkrankungen zu heilen! Bestenfalls können z.B. durch die Komplementärmedizin Begleiterscheinungen der schulmedizinschen Therapie gemildert und das Allgemeinbefinden verbessert werden. In jedem Fall muss der mögliche Nutzen einer komplementärmedizinischen/alternativen Therapie gegen eventuelle Schäden & Risiken abgewogen werden (s.a. Misteltherapie bei Leukämie).
Es ist nachvollziehbar, dass gerade die Patienten mit ernsten Erkrankungen, oder Menschen bei denen die Schulmedizin an ihre Grenzen stösst Hilfe durch unkonventionelle Methoden suchen. Oft werden weder Kosten noch Mühen gescheut, solange Linderung oder gar Heilung in Aussicht gestellt werden. Die immer wieder in den Medien verbreiteten Berichte über "Wunderheilungen" tragen zum Glauben an diese Verfahren bei. Der Schulmedizin sind diese Ereignisse ebenfalls bekannt. Man weiss, dass es in extrem seltenen Fällen zu Spontanheilungen kommen kann, was nicht als Beweis für die Wirksamkeit einer bestimmten Therapie angeführt werden kann. Fallen solche Spontanheilungen zeitlich zufällig mit der Anwendung einer alternativen Therapie zusammen, wird eine Heilung oft fälschlicherweise als Therapieerfolg ausgewiesen.
Aus Studien mit Medikamenten ohne Wirkstoff (Placebos) ist ausserdem bekannt, dass sich Krankheiten durch den so genannten "Placebo-Effekt", (also vermutlich durch Selbstheilungskräfte des Körpers, die durch den Glauben an das Medikament hervorgerufen werden) bessern können.
Gerade in der Leukämietherapie können realistische Heilungschancen einzig und allein durch die derzeitigen Standard(Chemo-)therapien bzw. die Stammzelltransplantation erzielt werden. Die größte Gefahr durch Inanspruchnahme unkonventioneller Methoden besteht darin, den Beginn einer wirksamen, konventionellen Therapie zu verzögerern oder gar zu versäumen.
Patienten, die daran denken, unkonventionelle Therapien in Anspruch zu nehmen, sollten im Gespräch mit ihrem behandelnden Arzt Nutzen und Risiken der entsprechenden Verfahren erörtern. Ebenso wichtig ist es, den Arzt über Substanzen zu informieren, die neben der schulmedizinischen Therapie eingenommen werden.