Das Krankheitsbild Leukämie

Die Bezeichnung „Leukämie“ stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern „leukós“, weiß, und „haïma“, Blut, zusammen. Die Leukämie, umgangssprachlich oft als Blutkrebs bezeichnet, ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von Erkrankungen des blutbildenden Systems, die eines gemeinsam haben: Es handelt sich um ein unkontrolliertes Zellwachstum unreifer Blutkörperchen.

Die Leukämie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts etwa zeitgleich von dem schottischen Arzt John Bennett und dem Berliner Mediziner Rudolf Virchow beschrieben. Letzterer prägte 1847 den Begriff der Leukämie, nachdem er bei einem seiner Patienten eine starke Vermehrung weißer Blutkörperchen beobachtet hatte.

Leukämieentstehung

Alle Blutzellen gehen durch schrittweise Teilung und Reifung (Differenzierung) aus einer gemeinsamen Stammzelle im Knochenmark hervor. Eine Leukämie entsteht, wenn durch die Veränderung des Erbmaterials (Mutationen) eine unreife Zelle in einem frühen Stadium der Blutbildung entartet. In der Folge wird der normale Reifeprozess der betroffenen Zelle unterbrochen. Gleichzeitig erlangt sie die Fähigkeit, sich unkontrolliert zu teilen und zu vermehren.

Ausgehend von dieser einzelnen veränderten Zelle entstehen viele Milliarden funktionsuntüchtiger Zellen, die ihre eigentliche Aufgabe im Körper nicht übernehmen können. Diese Zellen tragen alle dieselben Merkmale (Klone) und werden als leukämische Blasten bezeichnet. Die Blasten reichern sich im Knochenmark an und verdrängen dort die gesunden Zellen, wodurch die Neubildung normaler roter und weißer Blutkörperchen sowie Blutplättchen vermindert wird. Die Zahl funktionstüchtiger Zellen im Blut sinkt, wodurch beim Patienten eine erhöhte Infektionsgefahr besteht und Blutarmut (Anämie) oder Blutung auftreten können. Darüber hinaus können Blasten aus dem Knochenmark freigesetzt und über das Blut auf andere Organe verteilt werden. Hiervon können prinzipiell alle Organe des Körpers betroffen sein. Nachfolgend kann es zur Vergrößerungen der Lymphknoten, der Milz oder Leber kommen. Es können aber auch Störungen der Nieren- oder Leberfunktion und bei Befall des Gehirns auch neurologische Veränderungen auftreten.

Leukämieformen

Leukämien können ihren Ausgangspunkt auf verschiedenen Stufen der normalen Entwicklung der Blutkörperchen nehmen. Entsprechend der verschiedenen Arten der Blutzellen und ihrer verschiedenen Reifungsstufen gibt es auch verschiedene Formen der Leukämie. Leukämien werden zunächst nach der Zellreihe unterteilt, von der sie ihren Ausgang nehmen: Myeloische Leukämien gehen von den Vorstufen der Erythrozyten, Thrombozyten, Granulozyten und Monozyten, lymphatische Leukämien von Vorstufen der Lymphozyten aus.

Weiterhin werden sie nach der Art ihres Verlaufs unterteilt: Akute Leukämien sind plötzlich auftretende, schwere Erkrankungen, die unbehandelt innerhalb weniger Wochen zum Tode führt, während chronische Leukämien einen langsameren, eher schleichenden Erkrankungsverlauf aufweisen.

Daraus ergeben sich folgende Formen von Leukämien, die sich im Hinblick auf Symptome, Verlauf, Prognose und Behandlung unterscheiden:

       ➲ Akute lymphatische Leukämie (ALL)
       ➲ Akute myeloische Leukämie (AML)
       ➲ Chronisch myeloische Leukämie (CML)*
       ➲ Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)**

* Die CML gehört zu den myeloproliferativen Erkrankungen (s.u.)
** Die CLL wird den sog. Non-Hodgkin-Lymphomen zugeordnet

Verwandte Erkrankungen

Neben den Leukämien gibt es weitere Erkrankungen, die durch unkontrollierte Teilung von Blutstammzellen bzw. durch Reifungsstörungen der Blutzellen entstehen. Zum Formenkreis der Knochenmarkerkrankungen, die in eine Leukämie übergehen können, gehören die myeloproliferativen Erkrankungen/Neoplasien (MPN) und die myelodysplastischen Syndrome (MDS), die sich zumeist durch die vermehrte Bildung einer Zellart auszeichnen.
Außerdem zählen bestimmte lymphoblastische Lymphome und Burkitt Lymphome zu den Leukämie-verwandten Erkrankungen. Lymphoblastische Lymphome weisen die gleichen Zell-Merkmale wie die akute lymphatische Leukämie auf, Burkitt Lymphome ähneln einer Untergruppe der ALL, der sogenannten reifen B-ALL. Bei diesen Lymphomen besteht kein ausgedehnter Knochenmarksbefall und die Behandlung erfolgt ähnlich wie bei der ALL bzw. reifen B-ALL.

Informationsbroschüren

Leukämie bei Erwachsenen - Blauer Ratgeber der Deutschen Krebshilfe (Datum des letzten Seitenbesuchs: 05.10.15)
Informationsbroschüre der Stiftung Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe (Datum des letzten Seitenbesuchs: 05.10.15)

Erstellt von: Hehn (Informationszentrum) am 25.07.2014, letzte Änderung: 05.10.2015