
Erstellt von: Hellenbrecht (Infozentrum Projekt 2) , am: 17.04.2008, letzte Änderung: 08.07.2008
Die Leukämie wurde erstmals 1845 von dem Berliner Arzt Rudolf Virchow beschrieben
Autor: Informationszentrum im Kompetenznetz, Stand: 7/2008
Die Bezeichnung „Leukämie“ stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern „leukós“, weiß, und „haïma“, Blut, zusammen. Umgangssprachlich oft als Blutkrebs bezeichnet, handelt es sich nicht um eine Erkrankung des Blutes selbst, sondern des Blut bildenden Systems. Dazu gehören das Knochenmark und das Lymphsystem. Sie sind für die Bildung der roten und weißen Blutkörperchen verantwortlich. Die Zellen wachsen dort heran, bis sie reif genug sind, um in die Blutbahn überzugehen. Leukämie entsteht, wenn der normale Reifeprozess der weißen Blutkörperchen unterbrochen wird und unreife weiße Blutkörperchen rasch zunehmen. Vermehren sich diese so genannten Blasten, ohne ihre eigentliche Aufgabe - normale Blutzellen zu bilden - zu erfüllen, kommt es zu einer Verdrängung und verminderten Neubildung der roten und der anderen weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen.
Etwa die Hälfte des gesamten Blutes besteht aus Blutplasma, das sich wiederum zu über neunzig Prozent aus Wasser und Eiweißkörpern zusammensetzt. Die andere Hälfte sind Zellen, die so genannten Blutkörperchen, von denen es drei Arten gibt: die roten und die weißen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen. Die roten Blutkörperchen, auch Erythrozyten genannt, sind am zahlreichsten im Blut vorhanden. Ihre wichtigste Aufgabe ist, den in den Lungen aufgenommenen Sauerstoff durch die Blutgefäße in die Gewebe zu transportieren. Gebunden wird der Sauerstoff durch den in den roten Blutkörperchen enthaltenen Blutfarbstoff, das Hämoglobin. Die weißen Blutkörperchen, Leukozyten, wehren Krankheitserreger ab. Deshalb ist ihre Anzahl bei den meisten infektiösen Prozessen, die mit einer akuten Entzündung einhergehen, deutlich erhöht. Darüber hinaus beseitigen sie die Abfallstoffe, die durch den Zerfall von Körperzellen entstehen. Die Thrombozyten sind die kleinsten Blutkörperchen und haben ihren Namen aufgrund ihrer Form erhalten. Sie werden im Knochenmark gebildet und in der Milz abgebaut, wobei ihre durchschnittliche Lebensdauer acht bis zwölf Tage beträgt. Die Thrombozyten sind verantwortlich für die Blutgerinnung, die so genannte Hämostase. Sie sorgen dafür, dass bei einer Verletzung die Wände der Blutgefäße abgedichtet werden und sich innerhalb kürzester Zeit an der verletzten Stelle Plättchenpfropfen bilden, die zur Blutstillung führen. Später zerfallen diese Plättchen und setzen Substanzen frei, die die Gerinnungsfaktoren des Blutplasmas aktivieren.
Unser Körper ist darauf trainiert, absterbende Zellen durch neue zu ersetzen. Neue Zellen teilen sich zunächst, reifen dann aus und übernehmen nach Abschluss des Reifungsprozesses ihre jeweilige Funktion. Dieses System funktioniert bei gesunden Menschen so perfekt, dass genauso viele neue Zellen gebildet werden, wie zugrunde gegangen sind. Diese Zellerneuerung, die in den verschiedenen Organen des Körpers unterschiedlich schnell stattfindet, läuft auch im Knochenmark ab. Bei Leukämiepatienten indes ist der Ablauf der Zellproduktion gestört: Die Zellen teilen sich unkontrolliert, sie reifen nicht aus und können demzufolge die entsprechenden Funktionen nicht übernehmen.
Wie bei anderen bösartigen Erkrankungen liegt die Ursache in der Veränderung des Erbmaterials einer einzelnen Zelle. Diese Veränderung ist jedoch nicht erblich, sondern tritt neu auf. In den meisten Fällen bleibt es unklar, warum sie eintritt und warum der Körper die veränderte Zelle nicht erkennt und beseitigt, wie dies normalerweise der Fall wäre. Die bösartig veränderten Zellen vermehren sich nicht nur unkontrolliert, sie reifen auch nicht aus und können deshalb ihre normale Funktion im Körper nicht übernehmen. Es entstehen unreife Blutzellen, die als leukämische Blasten bezeichnet werden und die gesunden Zellen im Knochenmark verdrängen. Die Zahl der intakten Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten sinkt, wodurch beim Patienten eine erhöhte Infektionsgefahr besteht und das Auftreten einer Anämie oder Blutung möglich wird. Darüber hinaus können Blasten aus dem Knochenmark freigesetzt und über das lymphatische System auf andere Organe verteilt werden. In der Folge kommt es möglicherweise zur Vergrößerung der Lymphknoten, der Milz oder der Leber. Es können aber auch Störungen der Nieren oder Leberfunktion und bei Befall des Gehirns auch neurologische Veränderungen auftreten.