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Blut, Blutbildung und Formen der Leukämie

Erstellt von: Hellenbrecht (Infozentrum Projekt 2) , am: 22.01.2007, letzte Änderung: 17.04.2008

Wie funktioniert die Blutbildung im menschlichen Körper? Wie entstehen Leukämien?


Autor: Informationszentrum im Kompetenznetz, Stand: 4/2008

Was sind Blutzellen?

Das Blut setzt sich etwa zur Hälfte aus Blutplasma (Wasser, Eiweiße, andere gelöste Stoffe) und aus Blutzellen (Blutkörperchen) zusammen. Es gibt drei Gruppen von Blutzellen:

A. Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)

Die wichtigste Aufgabe der Erythrozyten ist es, Sauerstoff aus der Lunge in die verschiedenen Organe und Gewebe zu transportieren und Kohlendioxid aus den Geweben in die Lunge zu bringen. Für die Bindung des Sauerstoffs an die Blutkörperchen ist der rote Blutfarbstoff, das Hämoglobin, erforderlich. Die Erythrozyten werden im Knochenmark gebildet. Wenn zu wenige Erythrozyten vorhanden sind kommt es zu Blässe, Müdigkeit, Luftnot und anderen Symptomen. Der wichtigste Meßwert für die roten Blutkörperchen ist der Hämoglobinwert im Blut. Bei erniedrigtem Hämoglobinwert spricht man von einer Anämie.

B. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)

Die weißen Blutkörperchen haben im wesentlichen Aufgaben bei der Entdeckung und Abwehr von Infektionserregern wie Bakterien und Viren. Bei einem Mangel an weißen Blutkörperchen treten gehäuft Infektionen auf und der Körper ist durch Infekionserreger, z.B. Pilze, gefährdet, die bei Gesunden keine Erkrankung auslösen würden. Im normalen Blutbild wird die Gesamtzahl der Leukozyten gemessen. Es gibt drei verschiedene Arten von Leukozyten, die sich im Hinblick auf ihr Aussehen, ihren Bildungsort und ihre Funktion unterscheiden, aber nur durch ihr Zusammenwirken für eine optimale Infektionsabwehr sorgen können. Die Zahl der Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten wird im sog. Differentialblutbild gemessen.

Granulozyten

Granulozyten finden sich im Blut, im Knochenmark und in den Körperorganen. Sie werden im Knochenmark gebildet und sind die für die Infektionsabwehr wichtigsten Zellen.
Man unterscheidet (anhand ihres unterschiedlichen Anfärbe-Eigenschaften): neutrophile Granulozyten, eosinophile Granulozyten und basophile Granulozyten

Lymphozyten

Bei den Lymphozyten unterscheidet man zwischen B-Lymphozyten, T-Lymphozyten und sogenannten "Killerzellen". Lymphozyten werden im Knochenmark und anderen Organen des lymphatischen Systems wie Lymphknoten, Milz und Thymusdrüse gebildet. Anhäufungen von Lymphknoten liegen u.a. im Kieferwinkel, der Achselhöhle, im Leistenbereich und im Unterleib. Die Milz ist ein Organ im linken oberen Bauchraum unterhalb des Rippenbogens und die Thymusdrüse befindet sich hinter dem Brustbein. Lymphozyten finden sich außerdem in der Lymphe. Es handelt sich dabei um eine farblose, wässrige Flüssigkeit in den Lymphgefäßen, die ähnlich wie das System der Blutgefäße ein weitverzweigtes Netzwerk im ganzen Körper bilden. Lymphozyten sind für eine funktionierende Infektionsabwehr erforderlich, da sie Antikörper produzieren und z.T. selbst Infektionserreger und veränderte körpereigene Zellen zerstören können. Sie steuern die Granulozyten und sorgen dafür, daß der Körper sich an Infektionserreger, mit denen er bereits in Kontakt war, "erinnert"

Monozyten

Monozyten sind Blutzellen, die in die Gewebe wandern und dort als Makrophagen (sog. Freßzellen) Infektionserreger, abgestorbene Zellen, Fremdkörper u.a. aufnehmen und beseitigen. Die Monozyten werden im Knochenmark gebildet

C. Blutplättchen (Thrombozyten)

Thrombozyten werden im Knochenmark gebildet und sind für die Blutgerinnung und damit auch für die Stillung von Blutungen verantwortlich. Wenn zu wenig Thrombozyten vorhanden sind, kann es zu spontanen Blutungen, z.B. kleinen Hautblutungen, oder zu verlängerten Blutungen, z.B. bei Verletzungen oder nach einer Zahnarztbehandlung oder zu verstärkten Regelblutungen bei Frauen kommen.

Wie funktioniert die normale Blutbildung?

Die Mehrzahl der Blutkörperchen wird normalerweise im Knochenmark gebildet. Das Knochenmark selbst ist ein schwammartiges Gewebe, das sich in den großen Knochen des Körpers befindet. Im Erwachsenenalter findet die Blutbildung v.a. in den Knochen der Wirbelsäule, der Hüfte, der Schulter, der Rippen, im Brustbein und in den Schädelknochen statt. Da die Blutkörperchen nur eine begrenzte Lebensdauer haben, müssen ständig neue Blutzellen gebildet werden. Bei Gesunden ist die Blutbildung so ausgewogen gesteuert, daß nur die Zahl von Zellen neu gebildet wird, die tatsächlich ersetzt werden muß. Bei besonderen Anforderungen, wie bei einer Infektion kann der Körper außerdem reagieren und die Zahl der benötigten Zellen, z.B. weiße Blutkörperchen erhöhen. Ausgangspunkt aller Blutzellen sind sog. Stammzellen im Knochenmark. Sie teilen sich und entwickeln sich zu Stammzellen für die drei Formen der Blutzellen. Diese weiterentwickelten Stammzellen teilen sich und reifen über verschiedene Zwischenstufen aus. Schließlich entstehen reife Blutzellen, die aus dem Knochenmark freigesetzt werden und ihre Funktion im Körper übernehmen können.

Was ist ein normales Blutbild?

Unter Blutbild versteht man die die mengenmäßige Zusammensetzung des Blutes bzw. seiner festen Bestandteile. Um feststellen zu können, was "normal" ist, wurden Blutwerte von gesunden Männern und Frauen aller Altersklassen untersucht. Das Blutbild eines Patienten wird immer mit den dort bestimmten Mittelwerten verglichen. Wenn die Zellzahl höher oder niedriger ist als dieser Mittelwert muss eine Ursache für diese Abweichung gesucht werden. Normale Werte von Blutzellen gesunder Erwachsener:

Kleines Blutbild

  
 

Männer

Frauen

Erythrozyten

4,5 - 6,3 /pl

4,2 -5,5 /pl

Leukozyten

4,4 - 11,3 /nl

4,4 - 11,3 /nl

Thrombozyten

136 - 423 /nl

136 - 423 /nl

Hämatokrit

43,2 - 49,2 %

36,8 - 45,4 %

Hämoglobin (Hb)

14,0 - 17,5 g/dl

12,3 - 15,3 g/dl

nl = Nanoliter = 1 milliardstel (10-9) Liter
pl = pikoliter = 1 billionstel (10-12) Liter

Die weißen Blutkörperchen gliedern sich noch einmal in drei Untergruppen auf (s.o. Punkt 1.) Im Differentialblutbild werden die Anteile der einzelnen Gruppen bestimmt. Neben der Anzahl der Zellen, kann auch eine Aussage über das Aussehen der Zellen getroffen werden.

Differentialblutbild

 
 

%

Neutrophile Granulozyten

55-70

Eosinophile Granulozyten

2-4

Basophile Granulozyten

0-1

Monozyten

2-6

Lymphozyten

25-40

Was ist eine Leukämie?

Leukämie ist eine andere Bezeichnung für Blutkrebs. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Erkrankungen, bei der weiße Blutkörperchen unkontrolliert im Übermaß produziert werden. Wie bei anderen bösartigen Erkrankungen liegt die Ursache in der Veränderung des Erbmaterials einer einzelnen Zelle. Diese Veränderung ist nicht erblich sondern tritt neu auf. In den meisten Fällen bleibt es unklar, warum sie eintritt und warum der Körper die veränderte Zelle nicht erkennt und beseitigt, wie dies normalerweise der Fall wäre. Die bösartig veränderten Zellen vermehren sich durch Teilung unkontrolliert. Eine weitere Folge der Veränderung ist, daß die betroffenen Zellen nicht ausreifen und daher nicht ihre normale Funktion im Körper übernehmen können. Es entstehen unreife Blutzellen, die als leukämische Blasten bezeichnet werden. Die normalen und gesunden Zellen in der Umgebung der Blasten werden im Knochenmark verdrängt. Daher werden zu wenige normale Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten gebildet. Der Patient leidet unter Infektionsneigung, Anämie und/oder Blutungen. Durch Freisetzung der Blasten aus dem Knochenmark oder Vermehrung in Organen des lymphatischen Systems können auch andere Organe als das Knochenmark betroffen sein. Dann kommt es zu Vergrößerungen dieser Organe z.B. Lymphknoten, Milz, Leber oder zu Störungen der Funktion z.B. Störungen der Nieren- oder Leberfunktion oder neurologische Veränderungen bei Befall des Gehirns.

Welche Formen der Leukämie gibt es?

Die Leukämie kann ihren Ausgangspunkt auf verschiedenen Stufen der normalen Entwicklung von Leukozyten nehmen. Entsprechend der verschiedenen Arten der Leukozyten und ihrer verschiedenen Reifungsstufen gibt es auch verschiedene Formen der Leukämie. Die Leukämien werden zunächst nach der Zellreihe unterteilt, von der sie ihren Ausgang nehmen:

Myeloische Leukämien:

ausgehend von Vorstufen der Granulozyten/Monozyten

Lymphatische Leukämien:

ausgehend von Vorstufen der Lymphozyten

Weiterhin werden sie nach der Art ihres Verlaufs unterteilt:

Akute Leukämien:

plötzlich auftretende, schwere Erkrankung

Chronische Leukämien:

langsamer, eher schleichender Erkrankungsverlauf

Daraus ergeben sich folgende Formen von Leukämien, die sich im Hinblick auf Symptome, Verlauf, Prognose und Behandlung unterscheiden:

  • Akute myeloische Leukämie (AML)
  • Akute lymphatische Leukämie (ALL)
  • Chronisch myeloische Leukämie (CML)*
  • Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)**

*Die CML gehört genaugenommen zu den Myeloproliferativen Erkrankungen (s.u.)
** Die CLL gehört genaugenommen zu den Non-Hodgkin-Lymphomen

Verwandte Erkrankungen

Ebenso wie die Leukämien gibt es weitere Erkrankungen, die durch unkontrollierte Teilung von Stammzellen bzw. durch Reifungsstörungen der Blutzellen entstehen. Zum Formenkreis der Knochenmarkserkrankungen, die in eine Leukämie übergehen können gehören (meist vermehrte Bildung einzelner Zellen):

chronischen myeloproliferativen Syndrome (MPS)

  • die Polycythaemia vera
  • die essentielle Thrombozythämie
  • die chronische myeloische Leukämie
  • idiopathische Myelofibrose

Myelodysplastische Syndrome (MDS):

  • chronisch myelomonozytäre Leukämie (CMML)

Lymphoblastische Lymphome:

Lymphoblastische Lymphome haben die gleichen Zell-Merkmale wie die Akute Lymphatische Leukämie (ALL). Es besteht kein ausgedehnter Knochenmarksbefall und die Behandlung erfolgt ähnlich wie bei der ALL.

Burkitt Lymphome:

Burkitt Lymphome haben ähnliche Zell-Merkmale wie eine Untergruppe der ALL (sog. reife B-ALL). Es besteht kein ausgedehnter Knochenmarksbefall und die Behandlung erfolgt ähnlich wie bei der reifen B-ALL.

Schema der normalen Blutbildung

Schema der normalen Blutbildung

 

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