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Erstellt von: Hellenbrecht (Infozentrum Projekt 2) , am: 11.12.2006, letzte Änderung: 09.11.2009
8/2004
Autoren: U. Germing, C. Aul, A. Ganser, M. Lübbert et al für die Deutsche MDS Studiengruppe (aus Rundbrief Nr.8, August 2004)
Die Deutsche MDS-Studiengruppe beschäftigt sich wissenschaftlich mit Studien für Patienten mit myelodysplastischen Syndromen. Ausgangspunkt dieser Bemühungen waren drei vom Kompetenznetz geförderte Projekte in Düsseldorf, Duisburg und Hannover.
Das Düsseldorfer MDS-Register diente zur Generierung von Daten zu Epidemiologie, Prognoseforschung und Risikostratifi kation und als Ausgangspunkt für ein überregionales Deutsches MDS-Register. Seit Gründung des Kompetenznetzes hat die Zahl neu rekrutierter Patienten im Register stark zugenommen. Zurzeit sind 2.520 Patienten erfasst, darunter 135 sekundäre MDS. Die einheitliche Diagnostik nach Kriterien der FAB und WHO ist durch zentrale Morphologie in Düsseldorf und Duisburg gewährleistet. Es konnte gezeigt werden, dass die MDS mit fünf Neuerkrankungen/100.000 Einwohnern/ Jahr zu den häufi gsten Knochenmarkerkrankungen gehören. Ausgehend vom Register hat sich eine deutsch-österreichische MDS-Prognose- Arbeitsgruppe konstituiert, zu der neben Düsseldorf und Duisburg, Freiburg (Prof. Lübbert), Göttingen (PD Haase), Wien (Prof. Valent, PD Pfeilstöcker, Dr. Nösslinger), Linz (Dr. Krieger) und Innsbruck (Prof. Stauder) gehören. Es entstand ein Datensatz mit über 1.500 MDS-Patienten, bei denen bei Erstdiagnose Karyotypen vorlagen, so dass in neuen Projekten die prognostische Bedeutung chromosomaler Befunde überprüft werden kann. Ziel der Prognoseforschung ist eine Stratifi kation von MDS Patienten, die zur risikoadaptierten Therapiestudien führt. Das nächste Treffen dieser Gruppe fi ndet am 15.9.2004 in Düsseldorf statt.
Die Therapiestudie für Patienten mit 5q- Anomalie mit All-trans-Retinsäure konnte inzwischen nach Inklusion von 29 Patienten geschlossen werden. Diese weltweit erste Therapiestudie für Patienten mit 5q- Anomalie konnte zeigen, dass ca. 20 Prozent der Patienten unter ATRA eine Verminderung des Transfusionsbedarfs erreichen.
Im Anschluss wurde in Duisburg unter Leitung von Prof. Aul und Dr. Giagounidis eine internationale Studie mit dem Thalidomidanalogon CC5013 für den deutschsprachigen Raum organisiert. Innerhalb weniger Wochen wurden 34 Patienten mit 5q- Anomalie in diese Studie inkludiert. Die bisherigen Behandlungsergebnisse sind ermutigend, weil überwiegend eine Normalisierung des Hämoglobins erreicht wird und das krankheitstypische Chromosom verschwinden kann.
Zwei Studien mit dem immunmodulatorischen Medikament Thalidomid wurden unter der Leitung von Prof. Gattermann, Frau Dr. Strupp und Prof. Ganser in Düsseldorf und Hannover durchgeführt und publiziert. Thalidomid führt in Tagesdosen von 100 bis 400 mg bei etwa einem Drittel der Patienten zu einer Normalisierung der peripheren Blutzellwerte, und vereinzelt kommt es zu zytogenetischen Remissionen. Erwähnenswert ist die hohe Nebenwirkungsrate, die oft zum Therapieabbruch führt.
Unter der Leitung von Prof. Ganser und Dr. Stadler wurde eine Phase II Studie zur immunmodulatorischen Therapie mit ATG versus ALG in Kombination mit CSA durchgeführt und publiziert. Diese Therapie scheint bei Patienten mit hypoplastischen MDS, kurzer Krankheitsdauer und normalem Karyotyp aussichtsreich zu sein. Ausgehend von diesen Daten überprüft die Deutsche MDS-Studiengruppe zusammen mit der „SAKK“ in einer Studie unter Leitung von Prof. Ganser, bei Patienten mit RA, RARS und RAEB I den Stellenwert der Behandlung mit ATG und CSA im Vergleich zum Supportive Care Arm.
Ein weiterer Schwerpunkt der Deutschen MDS-Studiengruppe sind zwei Studien mit hypomethylierenden Substanzen. Die Medikamente 5-Azacytidin und 5 Aza-2-Deoxycytidin führen zur Hemmung der DNAMethyltransferase. Ansprechraten von 50 – 60 Prozent mit partiellen Remissionen, Normalisierung der Blutzellparameter, auch bei Patienten mit komplexem Karyotyp sind ermutigend. Die MDS Studiengruppe hat unter der Leitung von Prof. Lübbert in Kooperation mit der EORTC eine Phase III-Studie begonnen, bei der die Wirksamkeit von Decitabine im Vergleich zum Supportivtherapie- Arm überprüft wird. Daneben läuft unter der Leitung von Prof. Gattermann eine Studie mit 5-Azacytidin subkutan versus Supportivtherapie.
Neu ist die Behandlung mit der deacetylierenden Substanz Valproinsäure. Hier hat die Deutsche MDS-Studiengruppe unter der Leitung von Prof. Gattermann und Frau Dr. Kündgen ein Protokoll aufgelegt, deren erste Serie von 18 Patienten bereits publiziert wurde. Durch die orale Behandlung mit Valproinsäure gelingt bei zahlreichen Patienten eine Verbesserung der Zellwerte zum Teil mit Transfusionsfreiheit. Im Rahmen der laufenden Studie wird an einer größeren Patientenzahl der Stellenwert dieser Therapie evaluiert.
Patienten mit Hochrisiko MDS (IPSS >2,5 Punkte) können mit AML-typischen Protokollen behandelt werden. Zusammen mit der AMLCG hat die Deutsche MDS-Studiengruppe ein Studienprotokoll vorbereitet, das Idarubicin- versus Fludarabin in der Induktionsbehandlung vergleicht und den Einsatz der allogenen Blutstammzelltransplantation mit randomisiertem Vergleich verschiedener Konditionierungsprotokolle vorsieht. Zudem untersucht es durch Optimierung der Mobilisierung die autologe Blutstammzelltransplantation. Darüber hinaus sind seit Bestehen des Netzwerkes weitere Studien innerhalb der Deutschen MDSStudiengruppe durchgeführt worden, so die Studie mit Amifostin (PD Haase), die Studie mit Trisenox (Prof. Gattermann und Prof. Ganser), die Eisenentleerung-Studie mit oralen Chelator CTI670 (Prof. Gattermann und Prof. Ganser) und die Studie mit dem Farnesyltransferase- Inhibitor Zarnestra (Prof. Ganser, Prof. Aul, PD Germing). Weitere Studien sind in Planung.
Die Strukturen des Kompetenznetzwerkes und der MDS-Studiengruppe haben breit gefächerte diagnostische und therapeutische Aktivitäten vorangetrieben. Zentrale Morphologie und prospektive Registrierung der Krankheitsverläufe und die Durchführung klinischer Studien für alle Risikogruppen resultieren aus enger Vernetzung aller beteiligten Institutionen. Auf dieser Basis werden wissenschaftliche Projekte (Genexpressionsanalysen, Proteomics, Methylierungsstatus, Karyotypevolution, etc.) durchgeführt. Die Abbildung zeigt schematisch diese zurzeit laufenden MDS Studien des Kompetenznetzwerkes.
Printing Date: 21.05.2012 © 2006-8 ELIC European Leukemia Information Center