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Aktuelle Therapiekonzepte der Studien-Allianz Leukämie (SAL) bei der akuten myeloischen Leukämie

Erstellt von: A. Hellenbrecht , letzte Änderung: 17.02.2009


Autor: Prof. Dr. med. Markus Schaich, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Dresden für die SAL-Studiengruppe, aus Rundbrief 02/2009

Die Studien-Allianz Leukämie (SAL) stellt eine neue kooperative Studienplattform bei der akuten myeloischen Leukämie dar, in der sich die Deutsche Studien Initiative Leukämie (DSIL), weite Teile der AML Cooperative Group (AMLCG) und die Czech Leukemia Study Group for Life (CELL) zusammengeschlossen haben. Die Studiengruppen behalten trotz des Zusammenschlusses ihre eigene Identität bei, so dass ein offener Austausch und die wechselseitige, selektive Teilnahme an den Studien innerhalb des Portfolios der SAL erfolgen kann. Jeder Partner kann Initiative und Verantwortung bei der Planung und Durchführung von Studien, der Begleitforschung oder der Publikation der Ergebnisse übernehmen. Für die Diagnostik und die Beratung wird den über 50 teilnehmenden Zentren ein umfangreicher, zeitnaher Service angeboten. In Abbildung 1 ist das derzeitige Portfolio der SAL dargestellt, das für jede AML Entität innovative Studien anbietet.
Bei den jüngeren Patienten bis 60 Jahre wurden innerhalb der AML2003-Studiengruppe bislang über 1000 Patienten eingeschlossen. In dieser Studie wird der Stellenwert der sehr frühen remissionsinduzierenden allogenen Stammzelltransplantation in der Aplasie nach Induktionstherapie für Hochrisikopatienten prospektiv randomisiert untersucht. Eine rasche Analyse der Risikofaktoren (Zytogenetik, FLT3 Status, Blastenclearance nach erster Induktion) und der Spendersituation ist hierfür unabdingbar. Für diese „fast search“-Diagnostik, die bei allen eingeschlossenen Patienten durchgeführt wird, werden bedeutsame Ressourcen bereitgestellt, was zu einer Entlastung der teilnehmenden Zentren führt. Als weitere Fragen werden die Bedeutung der autologen Transplantation und der Nutzen von zusätzlichen Substanzen innerhalb der Postremissionstherapie wie m-AMSA und Mitoxantron randomisiert untersucht. Für FLT3 positive Patienten ist die internationale PKC412 Studie aktiv, in der randomisiert und placebokontrolliert eine Kombination des Tyrosinkinaseinhibitors Midostaurin (PKC412) mit konventioneller Chemotherapie geprüft wird. Innerhalb dieser Studie hat die SAL eine Laborinfrastrukur geschaffen, mit der Aktuelle Therapiekonzepte der Studien-Allianz Leukämie (SAL) bei der akuten myeloischen Leukämie es möglich ist, innerhalb von max. 48 Stunden nach Probeneingang für jeden AML Patienten an 7 Tagen in der Woche einen FLT3 Befund zu erstellen. In der fortgeschrittenen Planung befinden sich für die Patienten bis 60 Jahre eine randomisierte Studie zur allogenen Stammzelltransplantation in erster kompletter Remission oder nach Rezidiv bei Patienten mit intermediärem Risiko und passendem Geschwister- oder Fremdspender (ETAL-1), sowie eine randomisierte Phase II-Studie mit dem Multityrosinkinaseinhibitor Sorafenib in Kombination mit Chemotherapie. Letztere knüpft an die kürzlich abgeschlossene Sorafenibstudie der SAL bei Patienten über 60 Jahre an, und wird auf Grund des breiten Wirkungsspektrums von Sorafenib auch für FLT3 negative Patienten offen stehen.
Bei den älteren AML Patienten über 60 Jahre rekrutieren aktuell zwei Studien. In der AML60+ Studie wird eine Induktiontherapie mit intermediär dosiertem Ara-C und Mitoxantron und in der Phase II-Studie 7+GO eine Induktionstherapie mit Gemtzumab Ozogamicin in Kombination mit Ara-C jeweils mit einem klassischen 3+7 Induktionschemotherapieschema verglichen. In fortgeschrittener Planung befindet sich für diese Patientengruppe eine randomisierte Phase II-Studie, die 5-Azacytidine in Kombination mit Chemotherapie untersuchen wird. Für refraktäre oder rezidivierte FLT3 positive AML Patienten steht eine Phase II-Studie mit dem Tyrosinkinaseinhibitor CEP-701 zur Verfügung. Auch dieser Inhibitor wird in Kombination mit einer Salvagechemotherapie verabreicht. Geplant ist für diese Patientengruppe weiterhin eine Phase I-Studie mit 5-Azacytidine und Revlimid.
Bei der akuten Promyelozytenleukämie (APL) bietet die SAL in Kooperation mit der italienischen GIMEMA eine innovative Phase III-Studie für Patienten mit niedrigem oder intermediärem Risiko an. In dieser Patientengruppe wird eine Therapie aus ATRA plus
Arsentrioxid mit der Standardtherapie nach dem AIDA Protokoll verglichen. Ziel ist hierbei eine Verkürzung der Therapiedauer und eine Verringerung der Toxizität bei gleich guten Langzeitergebnissen. Für APL Patienten mit hohem Risiko steht weiterhin das
AIDA2000 Protokoll zur Verfügung, das für diese Patientengruppe eine Therapie mit ATRA, Anthrazyklinen/ Antrachinonen und Ara-C vorsieht.

Abbildung 1: Grün, laufende Studien; Gelb, für 2009 geplante Studien; HR, Hochrisiko; SR, Standardrisiko; NR, Niedrigrisiko

 

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