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Nichtmyeloablative Stammzelltransplantation bei ALL

Erstellt von: Hellenbrecht (Infozentrum Projekt 2) , am: 08.12.2006, letzte Änderung: 19.02.2009

7/2004

Autoren: G. Massenkeil, R. Arnold, Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Berlin für Teilprojekt 9 (aus Rundbrief Nr.7, Februar 2004)

Das hohe Rezidivrisiko und die rasche Proliferationskinetik rezidivierter akuter Leukämien haben dazu geführt, dass nichtmyeloablative Stammzelltransplantationen (NST) bisher überwiegend bei Patienten mit langsam proliferierenden hämatologischen Neoplasien durchgeführt wurden (Giralt Blood 1997, Slavin Blood 1998, McSweeney Blood 2001). Ein Graft-versus-Leukemia-Effekt, der häufig mit einer Transplantatgegen-Wirt Reaktion (GvHD) einhergeht, ist jedoch auch bei akuten Leukämien nachgewiesen (Ringdén BMT 1996, Matsue BMT 2002).

Im Rahmen der deutschen Studiengruppe zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämien (ALL) (GM-ALL) erhielten 22 Patienten mit ALL eine NST. Bei 11/22 Patienten wurde die NST als Salvagetransplantation nach Versagen einer Standard-Stammzelltransplantation (SZT) durchgeführt. 16/22 Patienten hatten eine fortgeschrittene ALL. Nach NST erreichten 13/16 Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung eine CR. Durch Gabe von DLI, Absetzen der Immunsuppression oder Therapie mit Imatinib konnte bei 3 rezidivierten Patienten nach NST wieder eine CR induziert werden. Nach Ersttransplantation leben 3/11 Patienten, nach Zweittransplantation noch 1/11 Patienten. Alle 4 Patienten waren in CR vor NST (Arnold Leukemia 2002). Die Gabe von DLI bei Kindern und Erwachsenen mit ALL, die nach SZT einen gemischten Chimärismus entwickelten, führte bei über der Hälfte der Patienten zur Konversion in einen stabilen kompletten Spenderchimärismus (Bader Leukemia 1999, Massenkeil BMT 2003). In einem retrospektiven gematchten Vergleich von nichtmyeloablativer und myeloablativer Konditionierung bei 75 Patienten mit akuten Leukämien (ALL=27) ergab sich im 3-Jahres erkrankungsfreien Überleben kein Unterschied zwischen Patienten mit ALL und AML (ALL 50% vs AML 42%, n.s.). Ebenso waren die erkrankungsfreien Überlebenszeiten zwischen NST und konventioneller Stammzelltransplantation gleich (NST 45% vs Standard-SZT 42%, n.s.). Einer nicht signifikant höheren Rezidivrate nach NST stand ein Trend zur höheren kumulativen transplantationsassoziierten 3-Jahres- Mortalität nach Standard-SZT gegenüber (NST 4% vs Standard-SZT 24%, p=0,055). In der multivariaten Analyse waren frühes Krankheitsstadium (1. CR) (p=0,015, HR 0,317 [95% C.I.: 0,126-0,797]) und Entwicklung einer chronischen GvHD (p=0,027, HR 0,273 [95% C.I.: 0,087-0,860]) die einzigen signifikanten günstigen Risikofaktoren des erkrankungsfreien Überlebens (Massenkeil Blood 2003, abs. 2703). Zusammenfassend sprechen die bisherigen Ergebnisse für die Durchführbarkeit der NST bei ausgewählten Patienten mit ALL. Ein GvL-Effekt mit nachweislicher Chimärismuskonversion erscheint durch Gabe von DLI auslösbar.

 

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