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Erstellt von: Infozentrum (Projekt 2) , am: 09.08.2006, letzte Änderung: 08.04.2008
Umfrage unter Studienärzten im Kompetenznetz "Akute und chronische Leukämien" - 2002
Therapiestudien werden oft kontrovers diskutiert, wobei der Informationsmangel unter Ärzten, Patienten und der allgemeinen Öffentlichkeit ein Hauptkritikpunkt ist. Häufig wird kritisiert, es fehle an der Qualität von Studienkonzepten z.B. durch Wiederholung bekannter Fragestellungen. Die internationale Akzeptanz gegenüber deutschen Studien sei gering und immer noch habe die Pharmaindustrie einen zu großen Einfluss auf die Studiendurchführung.
Das Leukämieinformationszentrum führte im Januar 2002 eine Umfrage unter Studienärzten durch, um die tatsächlichen Probleme bei der Durchführung von Leukämiestudien in Deutschland zu ermitteln.
Per Post oder e-mail wurde ein Fragebogen an registrierte Ärzte des Kompetenznetz Leukämie verschickt. 82 Ärzte beantworteten den Fragebogen
Unter den Befragten befanden sich 62% Chef- und Oberärzte, sowie 38% Stations- bzw. sonstige Ärzte. 61% der Ärzte verfügten über die Zusatzbezeichnung Hämatologie/Onkologie und 61% hatten mehr als 10 Jahre Berufserfahrung. 87% waren aktiv an der Durchführung von Studien beteiligt.
Klinikintern waren die Studien überwiegend gut organisiert. 64 Kliniken hatten eine eigene Studienzentrale und die Studien waren einem festen Mitarbeiter zugeordnet (87%). Study-Nurses oder Doku-Assistenten waren dagegen nur in 40% verfügbar.
Als größte Einschränkung bei der Studiendurchführung wurden der hohe Zeitaufwand für Regularien (70%), Konflikte mit Kostenträgern (58%) und Personalmangel (67%) - insbesondere bei der Dokumentation (69%) - angegeben.
Die Akzeptanz für Studien seitens der Patienten, stellte dagegen mit 12% ein geringes Problem dar. Nach Meinung der befragten Ärzte tragen Multicenter-Studiengruppen mit unstrukturierten Studienprotokollen (46%) und unangemessenem Zeitaufwand für die Dokumentation (46%) zu den bestehenden Problemen bei.
Den größten Wert legten die befragten Ärzte auf Internet-Angebote zur Übersicht über laufende Multicenter-Studien (1,5), Behandlungsprotokolle zum Download (1,6) auch Fortbildungsangebote für Studienärzte (2,0). Ausserdem wurde eine Telefon-Hotline (1,8), die Möglichkeit zur Online-Dokumentation (2,1) und Patienteninformationen zum Download (2,0) als Service seitens der Studiengruppen gewünscht
(die Bewertung erfolgte mit Schulnoten von 1 - 6).
97% begrüßten eine klinikinterne Qualitätskontrolle, wobei 95% davon eine Verbesserung der Situation erwarteten.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Bereitschaft und Fachkenntnis zur Durchführung von Studien in den Kliniken vorhanden ist. Limitierende Faktoren sind ausgedehnte Dokumentation und Regularien, sowie fehlende finanzielle Unterstützung zur Einstellung von qualifiziertem Personal.
Qualitätskontrollen und Informationsangebote wie sie das Leukämieinformationszentrum anbietet sind hilfreich. Entscheidende Verbesserungen können jedoch nur durch finanzielle Unterstützung der Kliniken und entsprechende politische Maßnahmen zur Vereinfachung von Regularien erzielt werden.
Printing Date: 17.05.2012 © 2006-8 ELIC European Leukemia Information Center