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AML in Deutschland

Erstellt von: Hellenbrecht (Infozentrum Projekt 2) , am: 14.11.2006, letzte Änderung: 14.02.2008

Leukämiehäufigkeit, Epidemiologische Kennzahlen

Wie viele Patienten mit AML werden in Deutschland in klinischen Studien behandelt?

Autoren: D. Messerer, M. Dugas, Th. Müller, J. Hasford, Universität München (aus Rundbrief Nr.5 / 2003)

Aufgrund von Ein-/Ausschlusskriterien wird nur ein Teil aller Patienten einer Diagnose für eine klinische Studie rekrutiert. Daher kann die externe Validität von Studienergebnissen nicht garantiert werden. Die Repräsentativität der rekrutierten Patienten ist das wichtigste Kriterium für die externe Validität und muss daher bestimmt werden. Im folgenden wird untersucht, wie viele Patienten mit AML in deutsche, klinische Studien aufgenommen werden und wie hoch die externe Validität der AML-Intergroup ist. Die AML-Intergroup stellt den Rahmen für die fünf im Rahmen des Kompetenznetzes rekrutierenden, multizentrischen AML-Therapiestudien dar (AMLCG Münster, Prof. Dr. Th. Büchner; München, Prof. Dr. W. Hiddemann, AML HD Ulm, Prof. Dr. H. Döhner; SHG Dresden, Prof. Dr. G. Ehninger; SHG Hannover, Prof. Dr. A. Ganser, Prof. Dr. G. Heil; OSHO Leipzig, Prof. Dr. D. Niederwieser, PD Dr. L. Uharek). In der Altersklasse der 15-19-jährigen wurden auch die Patienten der pädiatrischen Therapiestudie AML-BFM 98 (Frau Prof. Dr. U. Creutzig) berücksichtigt.

Um die Repräsentativität der AML-Patienten in Deutschland beurteilen zu können, müssen die Inzidenzen, die aus den in den Zentren der Therapiestudien dokumentierten Patienten für die Jahre 2000 und 2001 errechnet worden sind, mit den international publizierten Inzidenzen verglichen werden, da bislang keine gültigen AML-Inzidenzen für Deutschland veröffentlicht worden sind. Die Inzidenzen errechnen sich aus der Anzahl der neu erkrankten AML-Patienten eines Jahres bezogen auf 100.000 Einwohner in Deutschland je Geschlechts- und 5-Jahres-Altersklasse.

Inzidenzen (x 100,000 der Bevölkerung)
AlterAML Studien
AML Intergroup
und AML BFM 98
The Leukemia
Research Fund
UK 1984-1999
SEER
White
1995 - 1999
Netherlands
Cancer Registry
1994-1998
Saarland
1980-1999
mwmwmwmwmw
15-190,80,50,80,60,9-1,10,70,30,5
20-240,60,80,70,91,31,11,00,80,40,5
25-290,70,710,51,10,91,00,80,80,9
30-341,01,01111,00,71,51,21,7
35-391,01,21,11,11,31,21,01,90,61,1
40-441,31,31,41,51,91,81,71,91,71,5
45-491,71,81,61,82,12,32,42,13,02,0
50-542,31,72,82,74,03,33,52,92,41,6
55-593,73,34,22,94.94,64,44,74,02,4
60-644,03,16,53,98,36,59,24,56,23,3
65-694,33,68,55,514,88,710,96,98,44,7
70-744,13,211,77,521,611,814,07,711,84,9
75-793,71,514,67,925,814,623,013,49,98,8
>=801,80,9--28,317,921,012,614,75,6

Der Vergleich der AML-Inzidenzen aus den internationalen Krebsregistern (Tab. 1 ab Spalte 4) zeigt eine große Übereinstimmung der Kennzahlen für Patienten unter 60 Jahren. Im höheren Alter variieren die Kennziffern stärker, die Inzidenzen von SEER steigen bis auf 28 Fälle pro 100.000 Einwohner an.
Unter der Annahme, dass die Inzidenzen der Krebsregister wahr und auch für Deutschland annährend gültig sind, können sie mit den Inzidenzen der deutschen Therapiestudien (AML Intergroup und AML-BFM 98, Spalte 2-3) in Beziehung gesetzt werden. Hier wurde nicht unterschieden, ob die Patienten protokollgerecht behandelt oder wegen eines Ausschlusskriteriums nur dokumentiert und außerhalb des Protokolls geführt werden; entscheidend ist der Kontakt zur Studiengruppe.
Der Vergleich lässt erkennen, dass jüngere Patienten in Deutschland mit größerer Wahrscheinlichkeit einer Therapiestudie zugeführt werden als Ältere. Das entspricht den Einschlusskriterien einiger Studienprotokolle und der allgemeinen klinischen Erfahrung, dass ältere Patienten häufiger mit individuell angepassten Therapieschemata behandelt werden.

Wie groß ist daher die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus Therapiestudien auf alle AML Patienten in Deutschland, d.h. wie hoch ist die Repräsentativität der Studien? Die Übertragbarkeit der Ergebnisse ist altersabhängig. In den jüngeren Altersklassen darf angenommen werden, dass die Patienten stets in einer der Studiengruppe behandelt werden, während die alten Patienten auffällig selten in der AML Intergroup dokumentiert werden. Das heisst, dass keine umfassenden Erfahrungen mit den Therapieprotkollen in der älteren Altersgruppe vorliegen.

Schließlich werden die Zentren, die in Deutschland AML-Patienten nach multizentrischen Protokollen im Rahmen der Kompetenznetze behandeln in Abb. 1 dargestellt. Die pädiatrischen Zentren sind - aufgrund der geringen Fallzahl - nicht gesondert markiert.

(Literatur bei den Verfassern)

 

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