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Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der Tumorzytogenetik

Erstellt von: Hellenbrecht (Informationszentrum Projekt 2) , am: 14.11.2006, letzte Änderung: 12.02.2008

J. Bradtke, H. Rieder, Institut für Klinische Genetik, Universität Marburg für Teilprojekt 5 - Zytogenetik (aus Rundbrief Nr. 8, August 2004)

Ein Primärziel unseres Teilprojektes ist die Optimierung der Qualität der Gesundheitsversorgung auf dem Gebiet der zytogenetischen Diagnostik. Hierzu wurden eine externe zentrale Karyotypbegutachtung sowie Ringversuche zur Chromosomenbandenanalyse etabliert.
Die zentrale Karyotypbegutachtung umfasst die externe Beurteilung der Chromosomenbefunde einschließlich der zugrunde liegenden Karyotypen und wird bislang in zwei Bereichen eingesetzt:

Stichprobenartige Prüfung der Qualität von in- und außerhalb von Studien erhobenen Befunden bei einzelnen Leukämieentitäten für freiwillig teilnehmende zytogenetische Labore. Die Begutachtung erfolgt durch ein wechselnd besetztes Gremium.
Prüfung aller Befunde der im gemeinsamen Standardarm der AML-Studien des Kompetenznetz Leukämie rekrutierten Patienten. Die Begutachtung erfolgt durch ein fest installiertes Gremium
Nach der Einrichtung einer Koordinierungsstelle für die zentrale externe Karyotypbegutachtung in Marburg und Rekrutierung von Teilnehmern und Gutachtern wurde ein vorläufiges Procedere für die externe Karyotypbegutachtung festgelegt: Die Chromosomenbefunde müssen digitalisiert und anonymisiert per email versendet werden, wobei mindestens drei Karyogramme pro aberrantem Klon erforderlich sind. Nach Erfassung und Prüfung der Befunde werden diese an drei unabhängige Gutachter per email weitergeleitet. Die Gutachter bewerten die Chromosomenbefunde als akzeptiert, zweifelhaft oder abgelehnt. Werden Befunde nicht akzeptiert oder besteht kein Konsens zwischen den Gutachtern, wird von der Koordinierungsstelle eine online-Konferenz eingerichtet (via ipath-Server: http://telepath.patho.unibas.ch/ipath/). Nach abgeschlossenem Begutachtungsverfahren werden die jeweiligen Gutachter und Chromosomenlabore über das Ergebnis informiert. Die entstandenen Daten werden in Datenbanken erfasst, so dass sie für spätere Analysen zur Verfügung stehen.

Für die stichprobenartige Überprüfung von Chromosomenbefunden wurden in einem Pilotringversuch die Befunde des ersten Falles mit CML des zweiten Quartals 2003 angefordert. Von 17 zytogenetischen Laboren wurden Chromosomenbefunde von Erstdiagnosen oder, wenn nicht vorhanden, Therapieverläufen eingesendet. Die Bildqualität war allgemein gut, Qualitätsverluste traten durch Digitalisieren ausgedrucker Befunde von zwei Laboren auf. Insgesamt sieben unabhängige Gutachter waren an der externen Begutachtung beteiligt, die diese überwiegend innerhalb von fünf Tagen abgeschlossen hatten. Es wurden 14 Befunde (82 Prozent) akzeptiert, in drei Fällen (18 Prozent) wurde der Chromosomenbefund angezweifelt und eine online-Konferenz eingeleitet. Aufgrund der erfolgreichen Durchführung dieses Pilot-RV sind weitere externe Karyotypbegutachtungen auch für andere Leukämie- Entitäten geplant.

Von 74 in den gemeinsamen Standardarm der AML-Studien randomisierten Studienpatienten konnten bisher 66 Chromosomenbefunde begutachtet werden. Es wurden 54 Fälle (82 Prozent) in der externen Begutachtung bestätigt und die untersuchenden Stellen über das Ergebnis informiert. In 12 Fällen (18 Prozent) stießen die Chromosomenbefunde bei den Gutachtern auf Zweifel oder fehlenden Konsens, so dass eine online-Konferenz angefordert wurde. Diese Fälle stehen zur Überarbeitung an.

Zur Prüfung der präanalytischen, analytischen und postanalytischen Phase der Chromosomenbandenanalyse wurde ein Ringversuchsverfahren mit Leukämie-ähnlichen Testproben entwickelt und in einem Pilot-Ringversuch mit insgesamt 19 teilnehmenden Laboren erfolgreich getestet. Hierzu wurde allen teilnehmenden Untersuchungsstellen eine identische Probe mit einer defi nierten Zusammenstellung von Zellen mit und ohne Chromosomenaberrationen zugeschickt. Alle in der Testprobe vorhandenen Chromosomenbefunde wurden von 12 (63 Prozent) Labors identifi ziert. Die Abweichungen bestanden hauptsächlich in der unvollständigen Erfassung der in Subklonen repräsentierten Chromosomenveränderungen. Vereinzelt wurden unspezifi sche Veränderungen beschrieben, die in der Probe bei Untersuchungen im Vorfeld des Ringversuchs nicht beobachtet worden waren.

Die Ergebnisse der o.g. qualitätssichernden Maßnahmen bestätigen die Notwendigkeit einer externen Überprüfung von Chromosomenbefunden und von Ringversuchen zur Kultivierung verschiedener Leukämieentitäten zur Sicherstellung einer korrekten zytogenetischen Diagnostik bei Leukämiepatienten. Bei den Bemühungen, eine Reproduzierbarkeit von Ergebnissen zwischen unterschiedlichen Labors zu gewährleisten, muss die Analyse der verwendeten Kultur- und Untersuchungsverfahren im Vordergrund stehen. Darauf aufbauend müssen optimale Analyseverfahren entwickelt werden. Ein Schritt in diese Richtung wurde durch die Erstellung von Mindeststandards zur Kultivierung von Proben akuter und chronischer Leukämien getan (http://knm1.ibe.med.uni-muenchen.de/tumorzytogenetik/index.html - Zytogenetische Techniken). Für die externe Karyotypbegutachtung müssen zusätzlich einheitliche Kriterien für die Bewertung der Qualität der Chromosomenpräparation und Erstellung von Befundbriefen entwickelt werden.

 

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