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Die MILE Studie - Microarray Innovation in LeukEmia¶

Erstellt von: Hellenbrecht (Informationszentrum Projekt 2) , am: 14.11.2006, letzte Änderung: 17.02.2009

10/2006

Autor: T. Haferlach, Münchner Leukämie Labor (MLL) (aus Rundbrief Nr. 10, März 2006)

Jahren einen großen Fortschritt in der Diagnostik, der Klassifikation, dem pathophysiologischen Verständnis und sogar zur Prognoseabschätzung bei Leukämien und Lymphomen ermöglicht. Sie gestatten in einem einzigen Experiment auf der Basis von DNA oder RNA Erkenntnisse zu zehntausenden von Genen. Die mit den modernen Chip-Plattformen und zusätzlich notwendiger Biostatistik erreichten Genauigkeiten und Reproduzierbarkeiten der einzelnen Messungen sind sehr hoch. Da zumeist nicht nur ein einzelnes Gen sondern ein ganzes Genexpressions-Muster (Pattern recognition) erfasst wird, kann ein Zusammenspiel verschiedener regulierter Gene in Pathways durch Genexpressionsdaten auf Microarrays genau abgebildet werden.
Nach zunächst rein wissenschaftlichen Ansätzen stehen die Microarrays jetzt an der Schwelle zur breiten Anwendung. Es gilt, ihren Stellenwert in der Diagnostik, zur Klassifikation und zur Prognosebeurteilung zu definieren. Diesem Ziel will sich eine im European LeukemiaNet (ELN), Workpackage 13 (WP13) initiierte Studie, die sog. MILE Studie (Microarray Innovation in LEukemia), mit dem Hauptschwerpunkt „Diagnostik von Leukämien“ annähern. Ausgangspunkt sind Daten verschiedener Arbeitsgruppen aus dem WP13 mit Genexpressions-Microarrays; speziell die Daten aus der Münchner Arbeitsgruppe zur Klassifikation von 12 klinisch relevanten Subtypen von Leukämien und gesundem Knochenmark (Gesamtanalysen n = 937). Hier wurde eine Reproduzierbarkeit der Standard-Diagnostik von 95,1% erreicht. Diese Ergebnisse haben zusammen mit weiteren sechs Studiengruppen/ Laboren im ELN und drei in den USA und unterstützt durch ROCHE Molecular Systems (Pleasanton, Kalifornien) zur MILE Studie geführt. Sie wird von Prof. Haferlach, jetzt Münchner Leukämie Labor GmbH, geleitet (weitere Zentren siehe Tabelle 1). Die MILE Studie untersucht verschiedene Aspekte in der Diagnostik von Leukämien:

  1. Reproduzierbarkeit der modernen Standard-Diagnostik, bestehend aus einer Kombination von Zytomorphologie, Zytogenetik, Immunphänotypisierung und molekularen Methoden (PCR).
  2. Vergleich der von der Probenentnahme bis zur fertigen Diagnose anfallenden Zeit, sowie Personal-, Geräte- und Verbrauchsmaterial-Kosten.
  3. Verbesserung der aktuellen Klassifikation ggfs. durch Definition neuer Subgruppen mit gleichem Expressionsmuster.

Zunächst wurde in einer Vorphase an allen Standorten das GeneChip System der Firma Affymetrix installiert und der Arbeitsablauf im Labor trainiert. Drei Leukämieproben (Zell-Lysate) und zwei Zelllinien (RNA, kommerziell erhältlich von Ambion) wurden an jedem Studienzentrum gemessen. Die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse war in allen Fällen mit einem Korrelations-Koeffizienten von >0.97 (s. Abbildung 1) sehr gut. Die Studienanlage (s. Abbildung 2) legt nach dieser Vorphase dann in der Phase I bei den ersten 2000 Analysen besonderen Wert auf die zweifelsfreie und validierte Erfassung der Diagnostik-Ergebnisse aus den sog. Goldstandard Verfahren parallel zu den Microarray-Daten (HG-U133 Plus 2.0, Affymetrix). Um dies zu ermöglichen, wurde zusammen mit ROCHE eine eigene Software entwickelt (EAGLE-D), in die alle Daten eingehen. Bei diskrepanten Befunden zwischen Goldstandards und Microarrayergebnis wird ein Steering Komitee des WP13 jeden einzelnen Fall gesondert diskutieren und klären. Die aus diesen 2000 Analysen erarbeiteten diskriminierenden Gene werden dann in der Phase II der Studie auf einem eigens produzierten maßgeschneiderten Leukämie-Chip rein prospektiv an weiteren 2000 Fällen geprüft. Danach ist die weitere Entwicklung und spätere Einführung eines Microarrays zur Leukämiediagnostik vorgesehen. Der Zeitplan ist sehr eng, die Phase I wird im März 2006 abgeschlossen sein, die Phase II wird bis Ende 2006 durchgeführt werden. Erste Daten der Phase I bestätigen jetzt – erstmals im Rahmen einer Multi-Center Studie - die hohe Reproduzierbarkeit von Microarray-Ergebnissen, die eine Anwendung in der Diagnostik möglich erscheinen lässt. Der tatsächliche Stellenwert muss dann im Weiteren im täglichen klinischen Einsatz sicher noch intensiv ausgelotet werden. Sicher ist aber schon jetzt, dass im direkten Vergleich mit den sog. Goldstandard-Verfahren ein Genexpressionsmuster zur Beschreibung einer biologischen Entität nicht unterlegen ist.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Torsten Haferlach
MLL Münchner Leukämielabor GmbH
Max-Lebsche-Platz 31
81377 München
torsten.haferlach@mll-online.com

Die Reproduzierbarkeit zwischen den Zentren

Abbildung 1: Die Reproduzierbarkeit zwischen den Zentren ist sehr gut

 
Studienablauf

Abbildung 2: Studienablauf

 
Teilnehmende Zentren in der MILE Studie

Tabelle 1: Teilnehmende Zentren in der MILE Studie

 

Printing Date: 17.05.2012   ©  2006-8 ELIC European Leukemia Information Center